Unfälle im Herbst
“Insgesamt weniger rot” – dies ist der Eindruck, wenn man einen Blick auf den Unfallkalender des Statistischen Bundesamtes wirft. Dieser listet genau auf, wieviele Verkehrsunfälle es an einem bestimmten Tag in Deutschland gab. Ab über 990 Fällen erscheint der Kalendertag dunkelrot, bei weniger Fällen wechselt die Färbung mehr zu Blautönen. Bei den PKW-Unfällen mit Personenschäden zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung: Die dunkelroten Tage, an denen es besonders oft “kracht”, wurden im Lauf der vergangenen Jahre seltener. Der absolute Tiefststand war 2020, als es corona-bedingt generell weniger Verkehrsaufkommen gab.
Nun könnte man denken: In den Herbst- und Wintermonaten dürften im Kalender besonders viele Rottöne zu sehen sein – gerade dann, wenn sich die Straßenverhältnisse mit nassen Blättern, dem ersten Nachtfrost, Nebel & Co. zu Ungunsten der Verkehrsteilnehmer ändern. Natürlich gibt es dann ein erhöhtes Unfallrisiko, die tatsächlichen Unfallzahlen steigen aber nicht automatisch an: Für 2025 zeigt der Kalender in den Monaten Oktober und November nicht mehr rote Tage als in den Sommermonaten zuvor, im Winter des vergangenen Jahres (Januar und Februar) sind sogar Blautöne vorherrschend.
“Herbstzeit ist Unfallzeit” – diese Aussage müsste also wohl präzisiert werden: In dieser Jahreszeit sind die Risiken tendenziell höher – und die Folgen massiver! Denn mit dem Herbst kommt die Dunkelheit. Wie das Onlineportal “Automobile News” in einer Statistik-Analyse herausfand, endet bei Dunkelheit jeder 74. Unfall tödlich, bei Tageslicht hingegen “nur” jeder 109. Unfall. Die Nacht verzeiht weniger, so der Grundtenor der Datenanalysten – dazu gehören z.B. das Fahren mit zu hohen Geschwindigkeiten auf (vermeintlich) leeren Straßen, schlecht beleuchtete Strecken, aber auch längere Reaktions- und Bremswege bei herbstlichen Straßenverhältnissen.
Wenn man nicht die Jahreszeit, sondern die Tageszeit in den Fokus stellt, ist die Phase mit den höchsten Unfallzahlen übrigens der Nachmittag – in der Zeit zwischen 16 und 17 Uhr passiert besonders viel. Ein Grund mag sein, dass die Wege hier für Freizeit- oder Besorgungsfahrten genutzt werden, gleichzeitig aber viele Berufspendler und Schüler unterwegs sind, welche nach getaner Arbeit nicht mehr dieselbe Konzentration wie am Morgen haben.

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