Die „wahren Preise“ stehen nicht auf dem Kassenzettel
Sind unsere Lebensmittel eigentlich zu teuer – oder in Wahrheit viel zu billig? Genau dieser Frage widmete sich ein Vortrag in der Hochschule am Residenzplatz am Dienstag vergangener Woche. Rund 80 interessierte Zuhörer verfolgten aufmerksam die Ausführungen von Tobias Gaugler, welcher einer von drei Professoren am Standort ist. Er forscht zu den sogenannten „True Costs“ – diese „wahren Kosten“ von Lebensmitteln berücksichtigen bei der Preisgestaltung z.B. auch Umwelt-, Sozial- oder Gesundheitsfolgen.
Besonders deutlich fallen „True Costs“ bei tierischen Produkten ins Gewicht: Rinder stoßen z.B. viel Methan aus, was sich auf das Klima auswirkt. Diese Konsequenzen in Euro-Summen umzurechnen, ist ein sehr komplexes Unterfangen, zumal die Wissenschaft verschiedene Ansätze verfolgen kann: Sollen z.B. die Schäden von Klimakatastrophen berücksichtigt werden oder eher die Kosten für Investitionen, um die Folgen zu minimieren? Wäre etwa eine überschwemmte Wohngegend in Deutschland wegen höherer Baukosten mehr „wert“ als zerstörte Häuser in Entwicklungsländern? Auch lokal erzeugte Treibhausgase haben letztendlich globale Auswirkungen… Fakt ist: In vielen Bereichen basieren „True Costs“ auf Schätzungen – und diese können mehr oder weniger fundiert ausfallen.
Grundtenor des Vortrags: Würde man Klimafolgen mit einrechnen, wäre ein Schnitzel rund zweieinhalbmal so teuer. Und das würde das Konsumverhalten verändern: „Steigt der Preis eines Produkts um ein Prozent, sinkt die Nachfrage im Schnitt um 0,8 Prozent“, so Gaugler.
Auch der Verlust von Artenvielfalt oder mangelndes Tierwohl können als „wahre Kosten“ bilanziert werden – dabei stellt sich stets die Frage, wie diese monetär anzusetzen sind. Darüber hinaus zeigen die globalen Lieferketten, wie der Transport von Kaffee, Kakao, Südfrüchten und Co. Umwelt und Menschen belastet. Zudem landet rund ein Drittel aller erzeugten Lebensmittel nie auf dem Teller, sondern im Müll – sei es durch Produktionsausschuss, falsche Lagerung oder ein missverstandenes Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Botschaft des Abends: Nachhaltigkeit beginnt bei uns selbst.










