Freystädter Jugendliche präsentierten Entwürfe für die Zukunft
Computerspiel-Fans jenseits der 40 dürften sich wundern: Im Jahr 2026 ist die Grafik in diesem Bereich endlich soweit fortgeschritten, dass fotorealistische Szenen möglich sind. Und dennoch: Das mit Abstand meistverkaufte Spiel der Gegenwart ist “Minecraft”, welches mit seiner Klötzchengrafik stark an pixelige Games in den 1980ern erinnert. Ein Grund für die Beliebtheit: Es erlaubt den Nutzern, in einem virtuellen Sandkasten Welten nach der eigenen Fantasie zu bauen.
Ein ähnliches digitales Werkzeug, das Programm “Minetest”, spielte bei den “Digitalen Zukunftstagen” eine Rolle. Bei diesem Projekt der Fach- und Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung (KiJuBa) in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ) waren Schüler aus neun bayerischen Kommunen aufgerufen, sich die Zukunft ihrer Städte vorzustellen und die Ideen im virtuellen Block-Sandkasten zu bauen. Auch 8. und 9. Klassen der Martini-Schule Freystadt nahmen teil, am Montagabend erfolgte die Abschlusspräsentation im Beisein von Vertretern der Stadtpolitik.
In der Anfangsphase waren der Fantasie im Grunde keine Grenzen gesetzt, dennoch zeigten die Klötzchen-Entwürfe keine Raumschiffe über den Freystädter Storchennestern oder andere Science-Fiction-Utopien. Die Schüler bauten mit den digitalen Steinen zum Beispiel ein Casino – symbolisch für den Wunsch nach mehr Spielmöglichkeiten. In der zweiten Phase wurde den Teilnehmenden vermittelt, für welche Belange eine Kommune und ihre Stadtpolitik bzw. -verwaltung überhaupt zuständig ist. Letztendlich ging es darum, die fantasievollen Originalideen auf etwas herunterzubrechen, was in Freystadt umgesetzt werden kann. Der Bau eines Glückspieltempels ist zum Beispiel unrealistisch – machbar ist jedoch, im Freystädter Jugendtreff “Casino-Nächte” zu veranstalten. Genau das wollen Jugendliche zeitnah organisieren, ein ebenfalls gewünschter Arcade-Spielautomat soll mit Hilfe von Stadtrat Benedikt Fuchs in Eigenbauweise entstehen. Auch bei den Projektgruppen, welche sich dem Naturbad, den Sportanlagen und der Stadtverschönerung widmeten, kristallisierten sich Wünsche heraus, welche nicht utopisch sind, z.B. “bessere Beleuchtung am Bad” oder “Mehr Grün am Marktplatz”. Einiges davon beschäftigt die Stadtverwaltung bzw. Stadtpolitik ohnehin schon, für anderes wollen die Jugendlichen auch selbst aktiv werden und z.B. Sofas aus Paletten für den Skatepark bauen.
Manche Idee bleibt aber auch erst mal ein reiner Wunsch – aus finanziellen Gründen. Dass z.B. “ein zweiter Soccer-Court” mehr kostet als ein paar Monate Taschengeld, ist den Jugendlichen bewusst, von den tatsächlich nötigen Summen haben sie laut Freystadts Jugendpflegerin Lisa Egger verständlicherweise aber kaum eine Vorstellung. Das trifft jedoch auch auf zahlreiche Erwachsene zu. Und sobald man die realistischen Kosten erfährt, wünscht man sich Zustände wie in der digitalen Klötzchenwelt – wo die tollsten Bauprojekte vor allem Fantasie und sehr viel Geduld erfordern…
















