Die bayerische Maß als Pointe im internationalen Witz
Ob es nun am getrübten Konsumklima, an prinzipiellen Entwicklungen der Gesellschaft oder an der Tatsache liegt, dass in Getränkemärkten eine wachsende Zahl an mehr oder weniger alkoholischen “Alternativen” geboten wird: Der Bierabsatz der deutschen Brauereien und Bierlager ist im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 6,0 % oder 497,1 Millionen Liter auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war dies der stärkste Absatzrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Erstmals fiel der Bierabsatz unter 8 Milliarden Liter. (In den Zahlen sind alkoholfreie Biere und Malztrunk sowie das aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) eingeführte Bier nicht enthalten.)
Bei den monatlichen Bierabsatzzahlen zeigte sich auch 2025 das übliche saisonale Muster: Ebenso deutlich wie der Bierabsatz in den Frühjahrs- und Sommermonaten stieg, ging er im Herbst und Winter wieder zurück.
Das ändert jedoch nichts an der Tradition, dass am 23. April – wie jedes Jahr – der Tag des Deutschen Bieres gefeiert wird. Dies erinnert an den Geburtstag eines Gesetzes: Am 23. April 1516 wurde das Bayerische Reinheitsgebot verabschiedet, welches festschrieb, dass “zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.“ Die Hefe wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht genannt, da man ihre genaue Wirkungsweise noch nicht kannte. Vor dem Erlass wurde bei der Herstellung von “Bier” teilweise wild experimentiert, u.a. mit abenteuerlichen Zutaten wie Kreidemehl, Ruß oder Fliegenpilzen.
Zwar wird am “Tag des Deutschen Bieres” jenes Reinheitsgebot als eine der ältesten Lebensmittelverordnungen gefeiert, dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es “das deutsche Bier” per se nicht gibt: Zu unterschiedlich sind die Geschmäcker in den Regionen der Republik. Und so mancher Bayer, der z.B. ein Kölsch oder ein Düsseldorfer Alt vorgesetzt bekommt, fragt schon insgeheim, ob dafür der Begriff “Bier” überhaupt verwendet werden dürfe… Dass gerade Produkte aus dem weiß-blauen Freistaat ordentlich “wirken”, ist hinreichend bekannt – und auch Basis für so manchen internationalen Witz: So bekam der Moderator der Oscar-Verleihung Conan O´Brien bei einem Besuch in Deutschland eine Maß vorgesetzt und sein deutschstämmiger Komiker-Kollege Flula Borg erklärte ihm dazu als Warnung: “Das entspricht 45 Bud Light”.


