Pia Gerisch lebte ein Jahr in Dänemark
“Ich hatte schon mit 11 Jahren den Wunsch, mal für längere Zeit ins Ausland zu wollen”, erzählt Pia Gerisch aus Pyrbaum. Inzwischen hat sie den Plan in die Tat umgesetzt: Von August 2025 bis Juli 2026 nahm die 17-Jährige an einem Austausch der Organisation Youth For Understanding (YFU) teil und lebte als Gastschülerin in Dänemark. “Die Idee kam uns, als ich mit meiner Mutter Urlaub dort machte und in einem Café gegenüber einer Schule saß.”
Während ihres einjährigen Aufenthaltes lebte sie in Hadsten, einer 8500-Seelen-Kleinstadt, welche etwa 15 Minuten von Aarhus entfernt liegt. Für ihre Gastfamilie, ein kinderloses Ehepaar, war es die erste Erfahrung mit einer Austauschschülerin. Dennoch lief der Alltag sehr harmonisch. “Meine Gasteltern hatten zwei süße Hunde, mit denen ich viel spazieren ging. Wir haben auch einige Ausflüge unternommen, zum Beispiel zur nördlichsten Spitze des Landes. Ich habe wirklich viel von Dänemark gesehen.”
Work-Life-Balance
Was Pia Gerisch in ihrem Gymnasium in Dänemark auffiel: Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern verläuft mehr “auf Augenhöhe”, man unterhält sich z.B. auch mal über die privaten Unternehmungen des letzten Wochenendes.” Auch untereinander gehen Schüler anders miteinander um – wenn irgendwo eine Party stattfindet, wird die ganze Klasse eingeladen.” Diese Form des Miteinanders fände Pia auch für Deutschland nachahmenswert. Dänemark könnte sich hingegen beim Oberpfälzer ÖPNV ein paar Scheiben abschneiden. “Immer wieder kam es vor, dass der Bus zur Schule gar nicht oder sehr verspätet fuhr oder aber komplett überfüllt war.”
Der spürbarste Unterschied lag für die junge Pyrbaumerin in der Art und Weise, wie Dänen das Thema “Work-Life-Balance” leben. “Ich wusste schon vorher, dass sie entspannt sind, war dann aber überrascht, wie super entspannt sie wirklich sind”. An jede Aufgabe werde “relaxed” herangegangen, die Bevölkerung beherrsche die Kunst, kleine Momente schön zu machen und zu genießen. An diesen Lebensstil, so Pias Eindruck, werden die Dänen schon im Kindesalter gewöhnt. “Nach dem Ende der Schulzeit ist es üblich, erst mal ein bis zwei Jahre Pause zu machen, um sich z.B. beim Reisen über die weiteren Lebensziele klarzuwerden.” Diese Entspanntheit habe natürlich Auswirkungen auf viele Bereiche. “Während meines Aufenthaltes waren Neuwahlen, danach hat es lange gedauert, bis eine neue Politik auf die Beine gestellt wurde”, erinnert sich Pia. Hin und wieder könne diese Lebensart aber auch etwas “nerven”, gibt die Gymnasiastin unumwunden zu: “Bei Gruppenarbeiten in der Schule bin ich aus Deutschland eher gewohnt, direkt an die Aufgaben ranzugehen – in Dänemark wird das erstmal vor sich hergeschoben.”
Prinzipiell erlebte Pia Dänen eher introvertiert – “sie schließen zwar Bekanntschaften, aber bei engen Freundschaften beschränken sie sich oft auf Personen, die sie womöglich seit der Kindheit kennen.” Dennoch durfte die Pyrbaumerin einige Menschen kennenlernen, mit denen sie auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland noch Kontakt über Social Media hält. Ihr Tipp für alle, die als Gastschüler Dänemark erleben wollen: Offen bleiben – nicht nur im kulinarischen Bereich könne man immer etwas Neues für sich entdecken.
Fotos: Pia Gerisch













