Der Immobilienmarkt in Zeiten steigender Zinsen
Möglichst bis zum 35. Lebensjahr möchten viele junge Menschen den “Traum von den eigenen vier Wänden” verwirklicht haben. In der Realität schafft dies jedoch nicht einmal ein Drittel – dies ist das Ergebnis einer Studie, welche vom Pestel Institut im Juni 2026 veröffentlicht wurde. Im Fokus standen dabei die sozialen Aspekte von Wohneigentum. Einer der untersuchten Werte: die haushaltsbezogene Wohneigentumsquote. Diese hatte ihren historischen Tiefpunkt in der Nachkriegszeit 1956, als gerade mal 30 Prozent der privaten Haushalte der BRD in eigenen Wohnungen oder Häusern lebten. In den folgenden Jahrzehnten gab es ein leichtes Auf und Ab, tendenziell stieg die Quote jedoch – bis auf einen Rekordwert von rund 47 Prozent im Jahr 2018. Seitdem stagnieren die Zahlen. 2025 liegt der Wert (laut Hochrechnungen) bei 43,5 Prozent. Dabei gibt es regionale Unterschiede: Je höher eine Region verdichtet ist, desto niedriger fällt die Eigentumsquote aus.
Dass der “Traum von den eigenen vier Wänden” für viele Menschen nicht wie von ihnen gewünscht realisierbar ist, hat mehr als eine Ursache. Hohe Zinsen dürften jedoch als ein Grund dazu beitragen – und die jüngste Leitzinserhöhung durch die EZB sorgt mit Sicherheit nicht dafür, den Erwerb von Wohneigentum einfacher zu machen. Dass der Kauf eines Häuschens oder einer Wohnung komplett mit eigenem Guthaben “von der hohen Kante” finanziert wird, ist über viele Altersgruppen hinweg eher eine große Ausnahme als die Regel.
In Deutschland empfehlen zahlreiche Banken und Kreditinstitute, dass beim Erwerb von Wohneigentum mindestens 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten durch eigenes Kapital gedeckt sein sollten. Der Rest kann fremdfinanziert werden, wobei sich die aktuell wieder steigenden Zinsen dabei natürlich nicht nur im Centbereich auswirken. Zahlreiche Finanzexperten gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten erneute Leitzinsanhebungen folgen könnten. Da viel von der weltpolitischen Lage abhängt, welche sich schnell ändern kann, sind Prognosen über Zinsentwicklungen im Grunde wie Kaffeesatzlesen. Deshalb kann in diesem Artikel auch keine klare Empfehlung à la “Jetzt Wohneigentum kaufen” oder “Lieber abwarten” erfolgen.
Alles eine Kostenfrage
Ein Blick in europäische Nachbarländer lässt so manchen Hausinteressenten aufhorchen – dort sind gerade die “Nebenkosten”, welche mit dem Eigenheimerwerb einhergehen, um einiges geringer. In den Niederlanden erlässt man z.B. Menschen unter 35 Jahren die Grunderwerbsteuer beim Kauf der ersten Immobilie. Es sind solche Faktoren, welche in anderen Ländern für höhere Eigentumsquoten als in Deutschland sorgen. Fakt ist aber auch: Der Kauf einer Immobilie ist nur “die halbe Miete”. Der deutsche Vorschriftendschungel liefert für Eigentümer eine Vielzahl an Verpflichtungen, welche auch Jahrzehnte nach dem Objekterwerb immer noch regelmäßige Kosten in unterschiedlichsten Bereichen mit sich bringen – vom Kaminkehrer bis zur Wohngebäudeversicherung, welche viele Kreditgeber für die Hausfinanzierung fordern. Und während es bei den Zinsen durchaus ein Auf und Ab geben kann, kennt die Zahl der Auflagen (inkl. verbundener Kosten) erfahrungsgemäß vor allem den Weg nach oben.




