Ein Leben zwischen Bücherbergen und den Menschen
Am Pfingstsonntag wurde Münsterpfarrer Norbert Winner 70 – und feierte so, wie man es von ihm erwartet hat: ohne großen Bahnhof, dafür mit Stehempfang und Geselligkeit auf dem Kirchplatz. Dass der Seelsorger das Älterwerden mit einer Mischung aus Gelassenheit und feinem Witz betrachtet, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Ein gutes Essen habe er nie verschmäht, erzählt er und grinst. „Aber nun bin ich nicht mehr so gut zu Fuß.” Die Konsequenz: Reisen ins geliebte Italien sind passé.
Werdegang
Die Wurzeln des Seelsorgers liegen in Burgoberbach bei Ansbach, wo die Großeltern eine Gastwirtschaft betrieben. Früh engagierte sich Winner als Ministrant und in der Landjugend. „Ich wollte etwas Religiöses machen, aber auch etwas mit Menschen“, erinnert er sich. Das Priesterseminar war der logische Schritt. Nach der Weihe folgten u.a. Stationen in Nürnberg und Hilpoltstein, bis er 1998 die Nachfolge von Pfarrer Hirschbeck in Neumarkt antrat. Zu den großen Momenten seiner Amtszeit zählt die Münstererhebung 2015, rund 1.500 Menschen waren damals dabei. „Das war schon eine große Ehre für unsere Pfarrei.“
Begegnung mit dem Papst
Daneben sind auch Erinnerungen an Rom bis heute präsent. Dort traf er nicht nur Papst Benedikt XVI., sondern auch Papst Johannes Paul II. – und das ziemlich überraschend. Während einer Rosenkranzübertragung ging plötzlich die Tür auf und das Kirchenoberhaupt stand im Raum. „Ohne Protokoll – er war einfach da und in Gesprächslaune“, erinnert sich Winner, damals Student.
Wenn Winner dann von früher spricht, fällt irgendwann auch der Name Resi. Seine Cousine war viele Jahre lang Haushälterin und „die gute Seele des Hauses“. Sie kochte und hielt den Alltag zusammen. Vor 14 Jahren starb sie mit nur 56 Jahren und hinterließ eine große Lücke.
Besucht man den katholischen Geistlichen in seinem Büro, dann zeigt sich noch eine Leidenschaft jenseits des Altars. Winner liebt Bücher – und zwar in beeindruckender Menge. Rund 3000 Exemplare nennt er sein Eigen, darunter Weltliteratur, Bücher zur Liturgie und unzählige Italien-Reiseführer. „Wenn man so gut wie nie umzieht, sammelt sich halt Vieles an“, sagt er schmunzelnd.
Noch ist der Domkapitular mitten im Geschehen, während unseres Gesprächs im Pfarrbüro klopft bereits der nächste Besuch an der Tür. Doch Winner weiß, dass sich sein Alltag bald verändern wird. Seine Wohnung im Pfarrhaus wird künftig anderweitig genutzt. „Ich erwäge einen Umzug in ein betreutes Wohnen oder ein Altenheim – ich brauche Menschen um mich.” Offiziell endet seine Amtszeit am 1. September. Ganz Schluss ist aber nicht. „Ich werde gerne einspringen, wenn ich gebraucht werde.” Und dann wird der Ruheständler in spe ernst: „Ich danke dem Herrgott, dass ich während meines Berufslebens nur zwei Kinder beerdigen musste.”
Verbundenheit
Besonders eng verbunden bleibt Winner mit seinem Nachfolger Dekan Stefan Wingen. Die Beziehung der beiden liest sich fast wie eine kirchliche Dauerstaffel: Erst war Wingen Kaplan unter Winner, später sein Heimatpfarrer – heute ist er Nachbar in der Hofkirche. „Wir kommen irgendwie nicht voneinander los“, sagen beide mit einem Schmunzeln. Auf Wingen wartet ab Herbst ein großer Seelsorgebereich mit rund 15.000 Katholiken. Norbert Winner kommentiert das betont trocken: „Er wird das Kind schon schaukeln.”
Foto: Susanne Weigl















