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Die vielen Facetten von Lichtwerbung

Der winkende Neon-Cowboy. Riesige Leuchttafeln, welche Superstars wie Sinatra oder Presley ankündigen. Das markante Schild mit der Aufschrift “Welcome to fabulous Las Vegas”. Es sind Motive wie diese, welche auf Millionen von Postkarten und in hunderten von Filmen den Ruf von Las Vegas prägten – nicht nur als Mekka für Glücksspiel-Fans, sondern auch als Stadt, in welcher Lichtwerbung absolut auf die Spitze getrieben wird. Wer allerdings Aufnahmen der Wüstenstadt von früher und heute vergleicht, sieht durchaus Veränderungen: Spätestens Ende der 1990er Jahre merkte man: Wenn überall alles leuchtet und blinkt, fällt nichts mehr so wirklich ins Auge. Inzwischen wird in vielen Bereichen der Stadt subtiler mit Licht gespielt – gerne auch, um die Besonderheiten der Architektur zu betonen. Das Zauberwort bei der Illumination ist nicht mehr “viel”, sondern “Stil“.

Die erste deutsche Lichtwerbeanlage mit speziellen Leuchtröhren installierte der Bonner Glasbläser Heinrich Geissler bereits 1853 in seinem Schaufenster. Der Vormarsch der Elektrizität sorgte in den folgenden Jahrzehnten für mehr Werbebotschaften. 1896 wurden in Berlin die leuchtenden Buchstaben eines Weinherstellers zum ersten prominenten Beispiel für Marken-Kommunikation. In den 1920er Jahren hätte man sich an einigen Großstadtplätzen dank strahlender Reklame die offiziellen Straßenlaternen fast sparen können. In der Nachkriegszeit wurde Lichtwerbung hierzulande jedoch niemals in derart inflationärem Ausmaß betrieben wie z.B. in Las Vegas oder am Times Square in New York.

Die im Dunkeln sieht man nicht…

Es gibt bislang nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen, welche sich dem Thema tiefergehend widmen. Eine Studie an der Universität Duisburg-Essen bestätigte mittels Augenmessungen die Grundsatzthesen, dass große Lichtwerbeanlagen mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als kleine. Zudem reagiert das Auge auf beleuchtete Komponenten stärker als auf ausgeschaltete Anlagen. Das gilt übrigens auch bei Tageslicht. Bei Dunkelheit braucht man kaum Studien für den Beweis, dass Lichtwerbung wirkt: Wer nachts auf der Autobahn unterwegs ist und auf einem Werbeturm die strahlenden Logos von FastFood-Anbietern und Tankstellen des nahenden Autohofes erblickt, weiß selbst, dass das Auge in solchen Momenten nicht auf den dunklen Nachthimmel schweift, sondern automatisch auf die leuchtenden Firmennamen. Lichtwerbung mag in jeder Jahreszeit sichtbar und funktional sein, gerade in den dunkleren Monaten hat sie jedoch täglich mehr “Zeit”, ihre besonderen Vorzüge auszuspielen.

Der Fortschritt der LED-Technik brachte neue Lichtwerbungs-Möglichkeiten mit sich, welche hinsichtlich Steuerbarkeit, Platzbedarf und Energieeffizienz einen Quantensprung zu Alternativen des letzten Jahrhunderts darstellen. Einige Anbieter setzen zudem auf intelligente Steuerung – diese passt z.B. die Helligkeit an Lichtverhältnisse der Umgebung an und kann u.a. das Blendrisiko für Verkehrsteilnehmer senken. Die meisten Lichtwerbungskomponenten sind im Freien installiert und somit Witterung und UV-Einwirkung rund um die Uhr ausgesetzt – hier forscht die Branche stetig an Optimierungen im Materialbereich, um die Langlebigkeit zu steigern und den Pflegebedarf möglichst niedrig zu halten. Schließlich befindet sich Lichtwerbung in den wenigsten Fällen an Stellen, wo man “mal schnell mit dem Lappen drüberwischen” könnte…

Die Wahl von Formen, Farben und Lichttemperatur beeinflusst, “in welchem Licht” ein Marken- oder Firmenname für den Betrachter erscheint. Der Kreativität sind zumindest in technischer Hinsicht wenig Grenzen gesetzt – in rechtlicher Hinsicht jedoch schon. Wer für sein Unternehmen mit Licht werben will, sollte sich informieren – abhängig von Gemeinde, Bundesland und Standort können spezielle Regelungen gelten, welche die Größe von Komponenten, die Lichtimmissionen oder die Betriebszeiten reglementieren. Der Schutz von historischen Stadtbildern oder des fließenden Verkehrs kann ebenso Auflagen mit sich bringen.

Foto: gongzstudio_123RF.com / Montage: Christopher Surrey Montero

Fehlt noch am Ortseingang: Lichtwerbung für Neumarkt im Las-Vegas-Stil

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