Besuch bei den Eppelein-Proben in Burgthann
Wer derzeit die Burg in Burgthann besucht, erlebt schon vor der Premiere der Eppelein-Festspiele ein Spektakel – dabei geht es weniger um den Kampf gegen feindliche Ritter und die Obrigkeit, sondern vor allem um einen Gegner, der sich in diesen Tagen als besonders hartnäckig erweist: die Sommerhitze. Bei Temperaturen um die 30 Grad laufen aktuell die Proben für das mittelalterliche Open-Air-Stück um den „fränkischen Robin Hood“, der (zumindest auf der Bühne) den Reichen nimmt und den Armen gibt, auf Hochtouren.
Feinschliff für die Premiere
Während sich das Publikum bald entspannt in Sommerkleidung zurücklehnen darf, wird hier aktuell geschwitzt – und zwar gewaltig: Wollmäntel, Stiefel und historische Gewänder sorgen bei den Laiendarstellern für reichlich Schweißperlen. Dennoch ist von schlechter Laune keine Spur. Im Gegenteil: Auf der Burg herrscht eine Mischung aus Konzentration, Vorfreude und kameradschaftlichem Humor. Seit Dezember wird geprobt, zunächst in der Mittelschule, nun direkt am Originalschauplatz – dort wo Raubritter Eppelein von Gailingen 1381 nach seiner Ergreifung eingesperrt wurde. Rund 70 Mitwirkende arbeiten daran, dass zur Premiere jede Bewegung und Pointe sitzt.
Eine zentrale Rolle spielt Hauptdarsteller Harald Franz als Eppelein. Der 54-Jährige ist nahezu durchgehend auf der Bühne präsent. Während der Probe wird schnell klar: Nicht nur Text und Mimik müssen sitzen, sondern auch die Wege durch das historische Gemäuer. Ein falscher Abgang – und der Raubritter stünde im nächsten Bild am falschen Platz. Regisseur Robert Schuster verfolgt das Geschehen aufmerksam aus der ersten Reihe. Mit Textbuch und geschultem Blick sorgt er dafür, dass aus den einzelnen Szenen ein stimmiges Ganzes wird.
Von Routiniers und Nachwuchstalenten
Auch die Liebe kommt in dem Volksstück nicht zu kurz: Eppelein wirbt um die Patriziertochter Agnes Tetzel, die Lena Lang erneut mit viel Routine verkörpert. Neben weiteren erfahrenen Darstellern stehen auch junge Talente auf der Bühne. So fiebert Ronja aus Winkelhaid ihrem ersten Auftritt entgegen. „Ich muss nur vier Wörter sagen, aber nächstes Mal möchte ich eine größere Rolle“, verrät die Zwölfjährige selbstbewusst.
Was bei den Proben entsteht, ist ein Gemeinschaftsprojekt, getragen von Leidenschaft und Ausdauer. Und wer den schwitzenden Rittern, Kaufleuten und Patriziertöchtern an einem heißen Probenabend zusehen durfte, bekam einen Vorgeschmack darauf, wie lebendig die Geschichte ist. „Die Zuschauer dürfen sich auf zwei Stunden schönste Unterhaltung freuen“, verspricht Lothar Schölzke, bevor der Festspiel-Organisator in seine zweite Rolle als Eppeleins Knecht schlüpft.











