Das Wochenblatt Neumarkt sprach mit Kandidat Sascha Renner, FPD
Herr Renner, welche Rolle spielte Politik in Ihrer Familie?
Renner: Wir waren gefühlt nicht übermäßig politisch, ich wusste z.B. nie, was meine Eltern wählen. Ich selbst war schon immer FDP-Wähler, seitdem ich mit 18 erstmals den Wahl-O-Maten gemacht hatte, der mir diese Partei empfahl. Mein Dad hat irgendwann mal gesagt: Du solltest Parteimitglied werden. Er wollte mir auch früh mitgeben, dass beruflicher Erfolg durch Kontakte kommt. Ich wollte zuerst gar keine aktive Rolle übernehmen, wurde dann aber durch andere Mitglieder motiviert und war 2017 auch Wahlkampfmanager..
Sie beschreiben sich als “sehr heimatverbunden”…
Renner: Ja, ich wurde in Dachau geboren, lebe aber seit dem 5. Lebensjahr in Velburg. Ich habe dann in Regensburg studiert. Irgendwie hat es mich nie raus in die große weite Welt gezogen, von Reisen mal abgesehen. Am wohlsten fühle ich mich immer zuhause. Ich liebe es auch, im Sommer mit dem Moped durch den Landkreis zu fahren und dabei immer etwas Neues zu entdecken. .
Was haben Sie durch Ihre bisherige Arbeit im Kreistag gelernt?
Renner: Ich war anfangs erstaunt, dass die meisten Entscheidungen dort einstimmig getroffen werden. Darunter leidet zwar etwas die Debatte – ich bin schon jemand, der gerne “streitet” – aber die Einigkeit zeigt eben auch, dass in den letzten Jahren nicht alles falsch gemacht wurde..
Wie würden Sie das Amt eines Landrates beschreiben?
Renner: Er ist das wichtigste Bindeglied zwischen dem Kreis und der Politik auf Landes- oder Bundesebene. Ich denke, er sollte nicht in erster Stelle die Verwaltung vor Ort führen, sondern nach außen gehen und allen Leuten salopp gesagt auf den Senkel gehen, um z.B. Arbeitsplätze und Infrastruktur in die Region zu bekommen..
Thema Bürokratieabbau: Hätten Sie vollkommen freie Hand, welche Vorschrift würden Sie sofort abschaffen?
Renner: Ich habe ein E-Auto. Diese Fahrzeuge haben keine lokalen Emissionen und trotzdem braucht man in einigen Städten Deutschlands noch eine grüne Umweltplakette, um reinfahren zu dürfen. Das ist grotesk. Noch ein Beispiel: Wir alle wissen: Bauen bzw. Wohnen ist zu teuer. Können wir nicht aus anderen Ländern Konzepte übernehmen? Beim Thema “Modulares Bauen” gibt es bei uns noch zuviele Vorschriften. Und viele Freunde aus dem Handwerksbereich erzählen mir von öffentlichen Ausschreibungen, bei denen genau eine spezifische Farbe angefordert wird. Diese kostet dann aber 10-mal mehr als eine sehr ähnliche Farbe. Bei vielen Dingen sollten wir radikal fragen: “Macht das Sinn, wie das drinsteht?” Dabei geht es nicht nur um Vorschriften, manches basiert auf Vorstellungen oder Projektentwürfen. Aber es fällt den Leuten zunehmend negativ auf. Wir haben auch deshalb hohe AfD-Zustimmungswerte, weil viele Menschen denken: “Es ist doch teilweise irre, was hier abgeht.”
Fehlt Ihrer Meinung nach aktuell das Signal von der Politik “Es wird an dicken Brettern gebohrt”?
Renner: Ja klar! Die letzten großen Reformen waren unter Gerhard Schröder vor 20 Jahren. In jahrelanger CDU-Politik wurde nur verwaltet. Über Bundespolitik könne ich mich aktuell nur aufregen. Es wird von Reformen geredet, aber maximal kommen Reförmchen raus..
Aber wenn etwas angestoßen wird, gibt es – auch im kommunalen Bereich – oft Proteste…
Renner: Ich weiß, was Sie meinen: Jeder will z.B. Strom haben, am besten günstig und CO2-neutral. Aber man muss sich auch damit abfinden: Da muss dann irgendwo mal ein Windrad stehen oder eine PV-Anlage. Ich finde es eine gute Idee, Solarfelder gerade an den Autobahnen zu bauen, wo weniger Menschen wohnen. Auch Windkraft ist inzwischen sehr effizient, da wünsche ich mir einfachere Genehmigungsverfahren und mehr Beteiligung z.B. durch Bürgerwindparks..
Sie führen ein Unternehmen, welches im Bereich Video-Fahrgastzählungen im ÖPNV aktiv ist. Wie würde Ihr Betrieb weiterlaufen, wenn Sie neuer Landrat würden?
Renner: Die Firma gehört zu gleichen Teilen einem Kompagnon und mir. In diesem Fall würden wir einen CO-Geschäftsführer einstellen, damit ich mit vollem Herzen Kommunalpolitik machen kann.
Danke für das Gespräch.















