Persönliche Erinnerungen an ein Original
„Da könnte ein Streicherensemble im Marientunnel stehen und die Lizzy Aumeier spielt den Kontrabass“. Das war die Idee, die einige Radiokollegen und ich vor 24 Jahren hatten. Für das 950-jährige Stadtjubiläum von Nürnberg hatten wir den offiziellen Song produziert, im zugehörigen Musikvideo sollten Prominente aus der lokalen Sport- und Kulturszene auftauchen. Unter anderem waren Autor Fitzgerald Kusz und Sportreporter Günther Koch mit von der Partie, auch Lizzy Aumeier ließ sich gern auf einen Cameo-Auftritt ein. Ich war damals ein 20-jähriger Jungspund im Mediengeschäft und wusste noch nicht viel über die Dame mit dem Kontrabass. Dennoch hatte ich das Gefühl: Lizzy nahm mich bei den Dreharbeiten ernster als sich selbst. Und ich merkte: In diesem Metier sind Menschen, die für ungewöhnliche Ideen zu haben sind, absolut Gold wert. Kollegen, für die der Wunsch zu unterhalten an erster Stelle steht, die Frage nach einer Gage weit dahinter.
Im Lauf der Jahre kreuzten sich unsere Wege immer wieder. In persönlichen Gesprächen wirkte Lizzy stets ehrlich am persönlichen Wohlbefinden des Gegenübers interessiert – beileibe keine Selbstverständlichkeit im Showbusiness! In ihren Programmen mischte sie gerne Pointen über und unterhalb der Gürtellinie und polarisierte damit – backstage wechselte sie hingegen sehr selten ins „derbe“ Niveau.

Als Moderator von neumarktTV durfte ich ihr im Rahmen einer Fernsehaufzeichnung in Sulzbürg einen „Blumenstrauß der Woche“ überreichen. Lizzy war komplett uneingeweiht und höchst erfreut – sie bedankte sich vor laufenden Kameras mit einem spontanen Kuss auf meine Lippen. Was sie nicht wusste: Ich brütete zu diesem Zeitpunkt eine heftige Erkältung aus und versuchte, mich von allen Menschen vor Ort möglichst fernzuhalten. Als ich eine Woche nach den Dreharbeiten von einem Kollegen hörte, dass Frau Aumeier krank das Bett hütete, überkam mich ein schlechtes Gewissen.
„Lizzy, wollen wir beim Seniorennachmittag der Stadt Neumarkt ein Duett singen?“ Auch zu dieser Idee für eine TV-Aufzeichnung im Reitstadel sagte die selbsternannte „Sexgöttin aus der Oberpfalz“ sofort „Ja“. Das war in der Hochphase von Corona, dementsprechend mussten wir improvisieren. Unweit des Aumeier´schen Büros in Fürth trafen wir uns in meinem Schrebergarten. Die luftige Gartenhütte diente als Tonstudio, um ihre Gesangsstimme für das Playback aufzunehmen. Auf der Kiesfläche vor der Laube übten wir anschließend eine kleine Choreographie ein. Seit einem schweren Autounfall im Jahr 2010 fiel Lizzy das Laufen schwerer. Dennoch probte sie mit mir die Schritte auf dem unebenen Untergrund immer wieder, Ehegatte Andreas Stock gab zwischen Grill und Thuja-Hecke Regietipps. Elisabeth Aumeier verkörperte in meinen Augen den uralten Spruch: The show must go on! Umso schmerzlicher ist es, wenn jemand mit gutem Gefühl für Timing gezwungen wird, einen Schlusspunkt viel zu früh zu setzen. Im Grunde bleibt mir nur zu sagen: Dankeschön, Lizzy – für jeden geprobten und spontanen Spaß. Und sorry nochmal wegen der Erkältung…









