Das Wochenblatt Neumarkt sprach mit Kandidatin Dr. Katharina Ziegler (CSU)
Ihre Eltern haben ihre Wurzeln im Handwerk und in der Landwirtschaft. Ihr persönlicher Karriereweg führte zunächst zum Jurastudium – was faszinierte Sie an diesem Bereich?
Ziegler: Ich bin tatsächlich die erste, die in meiner Familie studiert hat. Jura ist insofern für uns etwas „Exotisches“, aber ich war schon als Kind stets ein kleiner Gerechtigkeitskämpfer und wollte immer gute Lösungen finden. Ich sah bei Jura eine große Bandbreite an möglichen Tätigkeiten.
Sie haben ab 2021 einige Jahre lang als Abteilungsleiterin für „Bau und Umwelt“ im Landratsamt Neumarkt gearbeitet und zahlreiche Kreisratssitzungen begleitet. Wenn Sie letzteres in Zukunft als Landrätin wieder tun würden, wäre das für Sie ein „Seitenwechsel“ – von der verwaltenden zur gestaltenden Seite?
Ziegler: Meiner Ansicht nach kann man heute Verwaltung und Politik nicht mehr getrennt denken, weil sie eng verwoben sind. Als Verwaltung kann ich in einem gewissen Rahmen auch gestalten, aber die Marschrichtung gibt natürlich die Politik vor. Und darin sehe ich auch den Reiz des Amts eines Landrates. Ich habe mir oft gedacht „Das eine oder andere hätte man doch anders angehen können“, aber es nützt nichts, wenn man sich das nur im Kämmerlein denkt.
Wie sollte das Thema Digitalisierung Ihrer Meinung nach im Kreis vorangetrieben werden? Es gibt in der Bevölkerung teilweise große Unterschiede – auf der einen Seite „Digital Natives“, auf der anderen Seite Menschen, welche z.B. nicht ohne Hilfe einen Amtstermin online reservieren können.
Ziegler: Ich denke, dass man beides berücksichtigen muss. Dass man ins Amt geht, einen persönlichen Ansprechpartner hat, das wird es meiner Meinung nach immer geben. Parallel dazu muss man trotzdem digitalisieren – zum einen intern, dass Verfahren schneller werden und Verwaltung effektiver arbeitet, zum anderen „nach Außen“. Gerade von jungen Leuten höre ich ganz oft, dass sie Behördengänge per App erledigen wollen. Das geht nicht bei jeder Behörde, aber wo es geht, sollte es ein Angebot sein.
Es gibt Stimmen, die behaupten, dass unsere Gesellschaft gespaltener ist als vor 10 Jahren…
Ziegler: Man muss wohl schon sagen, dass der Zulauf an den politischen Rändern größer wird. Da steckt sicher bei vielen auch Protest und Unzufriedenheit mit „herkömmlichen“ Parteien dahinter. Migration war dabei ein großes Thema, da sagten mir viele „So kann das nicht weitergehen“. Aber auch z.B. der Bereich Energie, Stichwort „Heizungsgesetz“. Ich denke, dass man zu wenig die Menschen mitnimmt – und irgendwann drücken es Wähler dann im Wahlverhalten aus.
In welchem Bereich ist das Potenzial des Landkreises Neumarkt Ihrer Meinung nach am größten?
Ziegler: Zum einen bei der Säule „Effizientere Verwaltung“, zum anderen bei der Wirtschaft. Hier wird oft Bürokratieabbau gefordert – ich denke, da lässt sich auch im Landratsamt mit etwas mehr Pragmatismus und Nutzung von Ermessungsspielräumen einiges machen. Die Gesundheitsversorgung ist bei uns schon recht gut, flächendeckend könnten die ländlichen Strukturen aber noch verbessert werden. Der Kreis ist in vielen Bereich schon gut aufgestellt – ich sage immer spaßeshalber: Woanders würde ich gar nicht kandidieren wollen…
Landräte haben oft Termine, welche später am Abend oder am Wochenende stattfinden. Sie haben zwei Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren – wie möchten Sie das „unter einen Hut“ bringen, wenn Sie gewählt werden?
Ziegler: Man muss gut organisiert sein und braucht ein gutes Netzwerk. Mein Mann und ich teilen uns schon immer alle Aufgaben – Putzen, Kochen, die Kinder ins Bett bringen und vieles mehr – und meine Eltern wohnen quasi neben uns. Würde es meine Familie nicht mittragen, würde es nicht gehen!
Bei welchem Lied drehen Sie das Radio richtig laut auf?
Ziegler: Insomnia von Faithless. Ich habe aber einen sehr breiten Musikgeschmack, der von elektronischer Musik über Pop bis hin zu Metal reicht.
Vielen Dank für das Gespräch.

