Der letzte Weg führt immer öfter nicht zum Friedhof
“Ich vermisse etwas die Gespräche, die man früher z.B. mit den Menschen führte”, sagt Lorenz Häusler und betont, dass Friedhöfe in der Vergangenheit nicht nur Ruhestätten für die Verstorbenen, sondern auch Begegnungsstätten für die Lebenden waren. Für den Bestattungsunternehmer mit rund 35 Jahren Erfahrung ist hier eine deutliche Entwicklung spürbar – hin zu mehr Anonymität. “Beerdigungen, bei denen das halbe Dorf zusammenkommt, gibt es schon noch – aber sie werden immer seltener.” Stattdessen träfen sich oft nur die engsten Angehörigen zu den Zeremonien, was Häusler auch auf eine stärkere Spaltung der Gesellschaft zurückführt. Zudem wählen immer mehr Menschen Alternativen zum klassischen Friedhof, zum Beispiel Baumbestattungen in Friedwäldern, welche vielerorts neu entstehen. Doch auch Seebestattungen, sei es im Inland oder z.B. in Mallorca, realisiert er mehrmals im Jahr für seine Kunden.
Eine weitere Entwicklung in der Bestattungskultur: Immer öfter werden freie Trauerredner zu den Zeremonien gebucht – dies hängt nach Häuslers Erfahrung oft mit prinzipiellen Weltanschauungen bzw. einer Konfessionslosigkeit der Verblichenen oder der Angehörigen zusammen. Während andere Bundesländer bereits Regelungen lockern, bleibt die sogenannte Friedhofspflicht in Bayern unangetastet. “Hier sollte die Politik stärker auf die Menschen eingehen”, meint Häusler – nach seinen Schätzungen würden mindestens 20 Prozent der Angehörigen eine Aufbewahrung der Asche von Verstorbenen an privaten Orten bevorzugen.
Während prinzipiell jeder Mensch mit Trauer anders umgeht, wird das Thema “Sterben” in der Öffentlichkeit durchaus offener behandelt als früher. “Bestattungsvorsorge rückt stärker in den Fokus”, weiß Häusler, “das mag unter anderen an den unsicheren Zeiten momentan liegen.” Wer sich früh um seinen letzten Weg kümmert, will entweder den Angehörigen “Arbeit” ersparen oder sicherstellen, dass alle Details für die “ewige Ruhe” wirklich den eigenen Wünschen entsprechen. In diesem Bereich gibt es viel Informationsbedarf – Lorenz Häusler wird deshalb in einigen Wochen in der Oberen Marktstraße in Neumarkt eine Anlaufstelle eröffnen, in der kompetente unverbindliche Beratung rund um Bestattungsvorsorge geboten wird. Zudem kümmert er sich um neue Fachkräfte für seine Branche: Zwar besteht bei vielen jungen Menschen der Wunsch nach einer Work-Life-Balance, die nicht unbedingt mit den Arbeitszeiten von Bestattern vereinbar ist, dennoch hat Lorenz Häusler eine engagierte Auszubildende gefunden, welche bald ihre Zwischenprüfung absolvieren wird.

Foto: Ina Dehm




















