Das Wochenblatt Neumarkt sprach mit Kandidat Martin Meier, Freie Wähler
Herr Meier, wie würden Sie Ihre politischen Anfänge beschreiben?
Meier: Ich war schon immer politisch interessiert und hatte ein politisch interessiertes Elternhaus. Eines Abends stand der leider zu früh verstorbene Günter Müller vor der Tür und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, für ein politisches Mandat zu kandidieren. Ich habe bei der Gruppe der Freien Wähler immer viel Enthusiasmus, Motivation und “gute Gene” gesehen. Und so führte eines zum anderen.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und etwaige Versäumnisse des Landkreises Neumarkt?
Meier: Von Versäumnissen möchte ich nicht reden, das wäre zu vermessen. Von den vorherigen Landräten wurden viele wegweisende Entscheidungen umgesetzt, z.B. der Gesundheitscampus in Parsberg. Wo wir natürlich Luft nach oben haben, ist im Bereich der Kommunikation. Gewisse Entscheidungen und Regelungen sollten den Menschen besser erklärt werden – z.B. den Mitarbeitern im Klinikum. Wenn man mehr Transparenz schafft, würde das die Zufriedenheit wieder steigern.
Im Landratsamt haben wir viele gute Leute mit Expertise in ihren Sachgebieten. Sie sollten auch an Prozessen beteiligt werden, in einer neuen Führungsstruktur, bei der auf Augenhöhe geredet wird. Unterm Strich soll rauskommen: Wir als Landratsamt sind freundlich und bieten Service.
Wie sollte die Digitalisierung im Landrats-amt vorangetrieben werden?
Meier: Momentan trifft die Schnelllebigkeit im digitalen Bereich teilweise auf Leute, welche die Affinität dafür nicht haben. Wir werden uns dem aber nicht verwehren können, das wird uns sonst überrollen. Wir müssen Verwaltungsabläufe optimieren – bei gewissen Dingen sollte es nicht drei oder vier Formulare geben, das sollte sich digital mit einem zentralen Ansprechpartner erledigen lassen. Und das wiederum schafft Zeitersparnis für Bürger und Mitarbeiter – letztere hätten dann auch mehr Zeit für die Menschen, welche im Digitalen noch nicht so bewandert sind.
Manche Menschen behaupten, die Gesellschaft sei heute gespaltener als vor 10 Jahren…
Meier: Also “gespalten” würde ich es nicht nennen. Ich sehe aber schon eine hohe Unzufriedenheit, was besonders den politischen Rändern Zulauf bringt. Und das macht mir große Sorgen. Aber die Gründe für diese Unzufriedenheit lassen sich meiner Meinung nach schwer greifen – denn eigentlich geht es den Menschen doch so gut wie nie: Wir haben eine geringe Arbeitslosenquote, im Landkreis fast Vollbeschäftigung, jeder kann in den Urlaub fahren… Die demokratischen Parteien sollten ihre Reihen mehr schließen und sich gerade in der Bundespolitik fragen “Was haben wir falsch gemacht, wo können wir uns ändern?”. Es herrscht aktuell viel Unsicherheit und in der Migrationspolitik durchaus auch Missgunst bezüglich der Zuziehenden. An vielen Stammtischen geht es u.a. um das sofortige Bürgergeld für Ukraineflüchtlinge. Es gäbe da schon Komponenten, mit denen sich wieder mehr Zufriedenheit und Akzeptanz für Entscheidungen erreichen ließe.
“Vorstandsvorsitzender”, “Spielmacher”, “Netzwerker” oder “Diener des Volkes” – welcher Begriff würde im Fall einer Wahl am besten zu Ihnen als Landrat passen?
Meier: Die passen eigentlich alle, nur “Vorstandsvorsitzender” ist mir zu abgehoben. “Diener des Volkes” passt gut zu meinem Ziel, das Landratsamt zum Dienstleistungszentrum zu machen. Aber ich sehe den Landrat immer auch als Kapitän auf einem Schiff. Die Zukunft ist herausfordernd, wir werden nicht mehr wie in den letzten Jahren einen Dukatenesel haben – da braucht es einen Kapitän, der mit einer guten Mannschaft arbeitet, der aber auch mal selbstkritisch ist und Kritik zulässt.
Gibt es Termine im Jahr, welche Sie sich für Persönliches freihalten?
Meier: An Weihnachten bin ich bei meiner Familie, sie ist das A und O – solche Freiräume muss man sich schaffen. Und wenn der FC Bayern im Champions League Finale spielt, ist das auch ein Fixtermin – Fußball ist meine große Leidenschaft.
Vielen Dank für das Gespräch.























