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Montag, 5 Dezember 2022
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Großzügigkeit statt Sparmaßnahmen am Sarg

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Im Bestattungswesen sorgt die Weltlage für teilweise erstaunliche Entwicklungen

Es ist eine uralte Weisheit: Gestorben wird immer! Die Frage, ob jedoch auch immer genügend Rohstoffe oder monetäre Reserven zur Verfügung stehen, um Verblichenen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, darf angesichts aktueller Entwicklungen zumindest mal leise gestellt werden. „Wir haben ja schon im vergangenen August die ersten massiven Veränderungen bemerkt, als die Kosten für Särge auf einmal spürbar stiegen“, erzählt Bestattungsunternehmer Lorenz Häusler. Zunächst habe sich schon während der Corona-Pandemie die Holzknappheit bemerkbar gemacht, aktuell spielt der Wegfall der Ukraine als Materiallieferant in diesem Bereich ebenfalls eine Rolle. Die Folge: Selbst einfache, für Einäscherungen bestimmte Särge seien bis zu 40 Prozent teurer.

Da Häusler zu einem günstigen Zeitpunkt sein Lager noch mit gängigen Modellen auffüllen konnte, kann er die deutlichen Preissteigerungen nach eigenen Angaben „sanft“ an die Kunden weitergeben. Bei seltener georderten Särgen können sich momentan vereinzelt Lieferengpässe bei den Herstellern ergeben. Ebenso beim Zubehör: „In vielen Fällen kommen Stoffe für Decken und Kissen aus China und hängen teilweise seit Wochen in irgendwelchen Containern fest“, so Häuslers Einschätzung.

„Umsonst ist nur der Tod – und der kostet das Leben“ – auch das ist eine uralte Weisheit, die aber letztendlich nur für Verstorbene gilt. Deren Erben müssen für den „letzten Weg“ sehr wohl den Geldbeutel öffnen. Die steigenden Bestattungskosten bereiten Lorenz Häusler durchaus Bauchschmerzen – vor allem im Hinblick auf sozial schwächer Gestellte und deren Angehörige. Und es geht ihm nicht anders als vielen anderen Menschen: Nicht jede Preissteigerung ist für ihn nachvollziehbar. „Da spielt meiner Ansicht nach Angst eine gewisse Rolle: Unternehmer befürchten in naher Zukunft Durststrecken und erhöhen deshalb jetzt ihre Preise, damit sie später über magere Zeiten kommen“, so die Vermutung des Bestatters. Vor den steigenden Energiekosten bleibt indes auch er nicht verschont: „Im April bekamen wir z.B. noch gesagt, dass selbst bei angespannter Gassituation die Preise für Einäscherungen nicht steigen würden. Nun ist die Nutzung der Krematorien aber doch teurer geworden.“ Dass deswegen z.B. mehr Menschen auf Erdbestattungen statt Feuerbestattungen setzen, hält Häusler jedoch für unwahrscheinlich – denn beide Bestattungsarten sind mit Kosten verbunden und „schenken“ sich diesbezüglich im Grunde wenig.

Man könnte vermuten, dass Angehörige angesichts der aktuellen Entwicklungen eher zu günstigeren Särgen, Ausstattungen und Co. tendieren, um die Preissteigerungen zumindest ein bisschen zu kompensieren. Doch erstaunlicherweise macht Lorenz Häusler im Lauf der letzten Wochen genau gegenteilige Erfahrungen. „Ich bemerke da eine neue ‚Großzügigkeit‘, da wird zum Beispiel häufiger ohne großes Zögern gleich die etwas edlere Sargvariante geordert.“ Man kann nur mutmaßen, was hinter diesem Trend steckt: Das latente Gefühl vieler Menschen, ihr Geld sei ohnehin nichts mehr wert, kann durchaus eine Rolle spielen. Die unsichere Weltlage mag bei manchen Angst und „Hamsterzwänge“ auslösen – andere sehen aktuell, wie vergänglich Wohlstand und Frieden sein können und wagen deswegen etwas größere Schritte (und Ausgaben) als üblich. Und eine weitere uralte Weisheit mit Bezug zum Thema Tod mag ebenfalls eine Rolle spielen: „Du kannst nichts mit ins Grab nehmen.“

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