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Montag, 5 Dezember 2022
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Rotkäppchen und die Mythen vom Wolf

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Kann man einen Hund vegan ernähren?

Dr. med. vet. Uwe Romberger, Fachtierarzt für Kleintiere, Physikalische Medizin (Physiotherapie)

Wissenschaftliche Informationen aus dem Veterinary Focus (internationale Publikation für den Kleintierpraktiker) und dem Newsletter Pro Vegan 42/2021

Mythos No.1: Der Hund stammt vom Wolf ab.

Es ist natürlich unstrittig, dass unsere vielen und bunten Hunderassen vom Wolf abstammen. Die Wissenschaft ist sich nicht ganz einig, wie lange die Haustierwerdung des Hundes zurückliegt. Studien der letzten Jahre besagen jedoch, dass die Domestikation des Hundes vor über 35 000 Jahren oder noch früher begann.

Mythos No.2: Wölfe sind uralt und ursprünglich.

Tatsächlich ist der moderne Wolf ebenso wie der Haushund in hohem Maße ein Produkt des Einflusses des Menschen, und dies insbesondere in Bezug auf seine Ernährung. Wölfe haben sich in den tausenden Jahren ihrer Existenz verändert.

Mythos No.3: Wölfe sind Fleischfresser = Carnivore

Im Beutespektrum des modernen Wolfes dominieren je nach Region vor allem Elche, Hirsche, Bisons und Karibus. Bei uns Menschen führte diese Beobachtung zu der Erkenntnis, dass es sich hierbei um die natürliche Nahrung von Wölfen handeln müsse, und dass Wölfe wie auch Haushunde deshalb nahezu reine Carnivoren sind. Durch die Entwicklung der Landwirtschaft vor über 10 Tausend Jahren und die Ausbreitung des Menschen kam es zu einer erheblichen Einschränkung des Nahrungsspektrums des Wolfes, welches nicht unbedingt dem seiner Vergangenheit entspricht. Die Tatsache, dass der moderne Wolf überwiegend große Huftiere jagt, ist das Resultat der Einschränkung seiner Futterwahlmöglichkeiten und der Konkurrenz durch andere Jäger. Letztere These wird durch verschiedene Aspekte der Anatomie des Wolfes gestützt. So zeigt das Gebiss des Wolfes Ähnlichkeiten mit dem des allesfressenden Schakals. Aufgrund seines gegenwärtigen Nahrungsspektrums aus Säugetieren, Schlangen, Reptilien, Vögeln und deren Eiern, Fischen, Primaten, Aas, Beeren, Gemüse und Obst und der Morphologie seines Gebisses kann der moderne Wolf als fakultativer Carnivore eingestuft werden. Das heißt Wölfe können Fleisch fressen, müssen es aber nicht.

Mythos No.4: Wölfe brauchen Fleisch zum Überleben und können keine Kohlenhydrate verdauen.

Die Ernährungsgewohnheiten des frühen Wolfes vor der Verfolgung durch den Menschen und vor der Einschränkung seines Lebensraumes durch den Menschen waren deutlich vielseitiger und eher omnivorer Natur. Der frühe Wolf war also eher ein Allesfresser, der auf der Grundlage einer vollständig tierfreien Nahrung überleben konnte. Die Fähigkeit von Wölfen, sich Tier-frei ernähren und so überleben zu können, war vermutlich eine entscheidende Voraussetzung für das Gelingen der Domestikation des Hundes. Während und nach der Domestikation war diese omnivore Natur ein Vorteil, da die Nahrung des Hundes relativ proteinarm war, und führte zu der permanenten Anpassung an eine kohlenhydratreiche Ernährung. Frühe domestizierte Hunde erhielten geringe Mengen Eiweiß schlechter Qualität ergänzt durch menschliche Nahrungsreste, die zum wesentlichen Teil aus Fett und Kohlenhydraten zusammengesetzt waren.

Mythos No.5: Hunde kann man nicht vegan ernähren.

Die vorstehenden Mythen zeigen bereits eine erhebliche Diskrepanz zwischen den tatsächlichen entwicklungsgeschichtlichen Gegebenheiten und der modernen Hundeernährung auf. Hunde müssen heute ein Überangebot an tierlichem Eiweiß verarbeiten, obwohl sie das tausende von Jahren nicht gewohnt waren.  Ähnlich wie der Mensch werden sie dadurch oftmals krank. Die modernen Zivilisations-krankheiten bei Hunden und Menschen resultieren aus einer fehlgeleiteten Ernährung.

Andrew Knight, Veterinärprofessor an der Universität von Winchester, sagt, seine Forschung habe gezeigt, „dass … Hunde mit pflanzlicher Nahrung ebenso gute oder bessere gesundheitliche Ergebnisse erzielten als mit Fleischnahrung … Wenn eine pflanzliche Nahrung für Hunde alle Nährstoffe enthält und so schmackhaft ist, dass sie zum Fressen motiviert, und zudem gut verdaulich ist, dann steht eine Behauptung, dass Hunde, die vegan ernährt werden, zwangsläufig krank werden und diese Ernährung tierschutzwidrig ist, im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist ignorant.“

Tiergesundheitszentrum Regensburg, Merianweg 3, 93051 Regensburg, Tel. 0941-9465050

www.tiergesundheitszentrum-regensburg.de

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