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Sonntag, 21 April 2024
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Vom Hörrohr zur mitdenkenden Elektronik

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Hörhilfen im Wandel der Zeit

Ludwig van Beethoven soll eines benutzt haben, viele weitere schwerhörige Menschen in vergangenen Epochen ebenfalls: Hörrohre „bündelten“ mit Hilfe eines Trichters akustische Signale und leiteten diese Richtung Gehör. Die Wurzeln dieser ersten mechanischen Hörhilfen gehen mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurück – die „verstärkenden“ Rohre gab es damals in allen möglichen Formen und Größen, einige Modelle wirken heute wie Komponenten eines exotischen Blasinstruments. Wer sie benutzen wollte, hielt sie mit der Hand ans Ohr – die Historiker kennen jedoch auch Varianten, bei denen Hörrohre an einer Art Brillengestell angebracht waren, womit die Nutzer die Hände freihatten.

Die Erfindung des Telefons machte die ersten Hörgeräte möglich, bei denen der Schall aufgenommen und elektrisch verstärkt zum Ohr gesendet wurde. Während es bereits vorher ein Modell gegeben hatte, das stationär auf dem Tisch stand, wurde 1898 das erste transportable Hörgerät erfunden. Dieses nutzte ein Kohlemikrofon und gab die verstärkten Signale über einen Lautsprecher ans Gehör weiter. „Transportabel“ bedeutete damals jedoch nicht zwingend „komfortabel“: 12 Kilogramm soll der Apparat gewogen haben.

Der Fortschritt der Technik, insbesondere die Erfindung der Transistoren Mitte des vergangenen Jahrhunderts, ließ die Größe und das Gewicht der Hörgeräte schrumpfen: In den 1950er Jahren hatten diese Systeme die Größe von Zigarettenschachteln erreicht. Sie bestanden meist aus zwei Komponenten – dem batteriebetriebenen Verstärker mit eingebautem (oder separatem) Mikrofon und kleinen „Ohrstöpseln“. In den 1960ern gab es die ersten Hörgeräte, welche “hinter dem Ohr“ getragen wurden – die dort von der Technik verstärkten Geräusche wurden durch einen dünnen Schallschlauch in den Gehörgang zu einem dort sitzenden Endstück geleitet. Ende des Jahrzehnts folgte das erste „Im-Ohr-Modell“ – sämtliche Komponenten befanden sich in einem Bauteil, dass innerhalb der Ohrmuschel saß. Die frühen Geräte dieser Art glänzten nicht gerade durch Unauffälligkeit. Insbesondere durch die Umstellung von analoger auf digitale Technik seit den späten 1980er Jahren konnten die Modelle jedoch so klein produziert werden, dass sie immer stärker in den Gehörgang „hineinrutschen“ konnten. Inzwischen sind sie quasi unsichtbar – ein riesiger Fortschritt im Vergleich zu den unübersehbaren Rohren aus Beethovens Zeiten, der nicht nur zum Welttag des Hörens am 3. März gefeiert werden sollte.

Gerade die digitale Signalverarbeitung erlaubt eine Vielzahl von technischen Feinheiten. So können z.B. einzelne Frequenzen gezielt verstärkt werden – viele Schwerhörige nehmen vor allem höhere Töne eingeschränkt wahr, während tiefe Frequenzen nicht oder nicht stark betroffen sind. Zudem ist eine Dynamikkompression möglich: Von Natur aus leise Signale werden automatisch angehoben, laute Geräusche aber nicht ins Unerträgliche verstärkt. Die interessanteste Perspektive ist das „mitdenkende“ Hörgerät – schon jetzt gibt es Modelle, welche selbst z.B. zwischen Sprachsignalen und Nebengeräuschen unterscheiden und nur die „wichtigen“ Komponenten herausfiltern. Mit der Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz soll hier die Differenzierung noch sauberer gelingen, ebenso steht die elektronische Verbesserung der Verständlichkeit von Sprache in Räumen mit hallender Akustik auf der To-Do-Liste der Forschung. Natürlich gibt es weitere Hörhilfen, welche teilweise für spezielle Arten der Hörbeeinträchtigung gedacht sind – dazu gehören zum Beispiel Geräte, bei denen der Schall über Knochen zum Innenohr geleitet wird.

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