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Samstag, 25 Juni 2022

Muss nicht. Kann!

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Der schmale Grat zwischen Depression und Stimmungstief

Die Überschrift dieses Artikels ist ausdrücklich als „Interpretationsanweisung“ für den gesamten Text zu verstehen. Denn das Thema „Depression“ ist so komplex, dass zum Beispiel auftretende Symptome genauestens unter die Lupe genommen werden sollten, bevor voreilige Schlüsse gezogen werden. Ein Beispiel: Deutliche Gewichtszunahme und regelmäßige schlechte Laune oder Antriebslosigkeit als Anzeichen für eine Depression? Muss nicht. Kann!

Seriöse Mediziner „stempeln“ Betroffene deshalb nicht vorschnell ab, sondern gehen im Optimalfall den Hinweisen, welche ihnen die Patienten schildern, mit detektivischer Genauigkeit nach und erstellen erst dann eine Diagnose. Das „ICD-10“, ein international gültiges Klassifizierungs-Verzeichnis für Krankheiten und Gesundheitsprobleme, unterscheidet zum Beispiel zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen − in allen drei Varianten müssen jedoch mehrere spezielle Symptome mindestens zwei Wochen regelmäßig auftreten. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts erkranken etwa 11 Prozent der Deutschen in ihrem Leben an einer vom Arzt diagnostizierten Depression, die tatsächliche Erkrankungsrate liegt vermutlich höher.

Die Häufigkeit von Anzeichen ist durchaus etwas, was einem selbst zu denken geben darf. Einen „schlechten Tag“ kann letztendlich jeder haben. Häufen sich jedoch die Phasen, in denen der innere Haussegen gefühlt schiefhängt und selbst Lieblings-Aktivitäten weniger Spaß machen als sonst, sollte man in sich hineinhören. Und − sofern die Signale nicht „verständlich“ genug sind − professionelle Hilfe zur Rate ziehen.

Denn während ein temporäres Stimmungstief in den meisten Fällen aus eigener Kraft überwunden wird (Muss nicht. Kann!), lässt sich eine diagnostizierte Depression oft nur mit externer Unterstützung meistern (Muss nicht. Kann!). Eine saisonale Ausnahme sind zum Beispiel sogenannte „Winterdepressionen“, bei welchen die kalte Jahreszeit mit einem Mängel-Mix aus Sonne, Bewegung, sommerlich-leichter Ernährung & Co. in ein mehrmonatiges Stimmungstal führt. (Und noch einmal: Muss nicht. Kann!)

Das Tückische an Depressionen: Für Außenstehende bzw. Nicht-Betroffene im Familien- oder Freundeskreis sind sowohl Anzeichen als auch Konsequenzen in vielen Fällen nicht erkenntlich oder emotional nachvollziehbar. Wer zu Depressionen neigt − die diesbezügliche Selbsterkenntnis ist oft ein erster Schritt zu einer erfolgreichen Therapie − darf sich hin und wieder gutgemeinte Ratschläge oder sogar Vorwürfe mit dem Grundtenor „Ist doch alles nicht so schlimm“ anhören. Wer Betroffenen Hinweise dieser Art gibt, möge sich jedoch an den ersten eigenen Liebeskummer erinnern und ehrlicherweise fragen: Hat der Hinweis von XY, es gebe noch andere Fische im Wasser, wirklich geholfen? (Muss nicht. Kann!)

Ernst zu nehmen ist eine „erwiesene“ Depression auf jeden Fall. Doch da die Menschen verschieden sind, sind auch die Wege aus dieser Krankheit, welche keinesfalls stigmatisiert werden sollte, sehr unterschiedlich. Die gute Nachricht: Für quasi jede Ausprägung gibt es eine Lösung, welche helfen kann. (Wie war nochmal die Überschrift des Artikels?)

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