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Dienstag, 15 Juni 2021
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Deine, meine, unsere Behinderung…

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Image und Hilfe für Menschen mit Handicap hat sich gewandelt

„Als behindert gilt ein Mensch, der entweder aufgrund angeborener Missbildung bzw. Beschädigung oder durch Verletzung oder Krankheit eine angemessene Tätigkeit nicht ausüben kann.“

So definierte das Bundesinnenministerium noch 1958 den Begriff „Behinderung“ und ergänzte die Aussage um die nicht gerade positiv besetzten Adjektive „leistungsgestört“ und „lebensuntüchtig“. Dies zeigt, wie sehr das Bild von Menschen mit Handicap über weite Teile des letzten Jahrhunderts mit der Vorstellung einer geringen Produktivität verknüpft war.

Erst ab den 1970er Jahren setzte hier ein langsamer Wandel ein, so Dr. phil. Elsbeth Bösl, welche seit Jahren im Bereich „Disability History“ forscht, also der Geschichte der „Behindertenhilfe“ bzw. „-politik“.

Im Jahr 2020 sind selbstverständlich nicht alle Vorurteile in den Köpfen abgebaut und natürlich ist auch nicht jeder Mensch mit Handicap gleich beeinträchtigt. Allerdings setzt man mehr auf eine individuelle Hilfe bzw. Förderung der Betroffenen. Eine Behinderung bedeutet nicht automatisch, nichts leisten oder zur Gesellschaft beitragen zu können.

Wenn fast schon inflationär genutzte Begriffe wie „Inklusion“ oder „Teilhabe“ nicht nur ausgesprochen, sondern wirklich gelebt werden, bedeutet dies im Optimalfall, dass man so weit wie möglich am „normalen“ Leben teilnehmen kann. Dies ist u.a. durch einen Beruf möglich, der sich trotz der individuellen Beeinträchtigungen gut durchführen lässt – im Landkreis Neumarkt gibt es dabei zahlreiche Beispiele, in denen Betroffene z.B. nach einer Tätigkeit in Werkstätten für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten.

Im Freizeitbereich findet sich – wenn nicht gerade eine Pandemie Absagen mit sich bringt – eine steigende Zahl an Angeboten, welche Menschen mit und ohne Handicaps zusammen Sport treiben, reisen oder musizieren lassen. Geändert hat sich im Lauf der Jahre nicht nur das „Image“ von Personen mit Beeinträchtigungen, sondern auch die Art und Weise, wie ihnen geholfen wird bzw. werden kann.

Die Möglichkeiten – von Therapien über medizintechnische Hilfsmittel bis zu Gesprächsgruppen für Betroffene oder deren Angehörige – sind vielfältig und scheren „Behinderte“ nicht mehr so über einen Kamm wie noch zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Gleichzeitig respektieren aber viele der Angebote eine sehr wichtige Tatsache: Nicht wenige Menschen mit Behinderung wollen nicht nur kein Mitleid, sondern im Grunde auch keine „überdimensionierte“ Unterstützung. In einer gewandelten Gesellschaft wird inzwischen – sofern irgendwie möglich − eher auf Hilfe zur Selbsthilfe gesetzt.

Es wäre zu wünschen, dass sich das Bild noch weiter verändert – womöglich wird eines Tages gar nicht mehr explizit zwischen Menschen „mit“ und „ohne“ Beeinträchtigung unterschieden. Denn bei genauem Hinsehen hat im Grunde jeder ein kleines Handicap.

Natürlich ist beispielsweise eine Sehschwäche nicht mit ausgeprägter Höhenangst oder einem Down-Syndrom oder fehlenden Gliedmaßen vergleichbar. Letztendlich sorgt aber all das dafür, dass der Betroffene sein Leben womöglich nicht genau so führen kann, wie er vielleicht gerne würde. Doch nur, wer diese Tatsachen seinen Alltag absolut dominieren lässt und die Lebenslust dadurch verliert, ist wirklich „behindert“…

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