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Freitag, 17 Mai 2024
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Und für was brennst Du?

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Eine Sache des schlummernden Talents

Dass Jahr für Jahr zahlreiche Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, hat mehrere Ursachen, welche in Studien auch erforscht werden. Eine davon ist die Studie Azubi-Recruiting Trends von u-form Testsysteme, an welcher jährlich mehrere tausend Auszubildende und Schüler sowie eine repräsentative Zahl von Ausbildungsbetrieben teilnehmen. Bei der Auflage 2023 wurden sie u.a. gefragt, warum ihrer Meinung nach so viele Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Die Top-Antwort: 50 Prozent der Schüler und Auszubildenden gaben die „Fehlende Berufsorientierung an den Schulen“ als Grund an. Bei den Ausbildungsverantwortlichen fiel diese Ursache auf Platz zwei – mit 45 Prozent der Nennungen.

Wer schon einige Jahre die Schule verlassen hat, mag sich über dieses Ergebnis wundern – denn in früheren Generationen wurde das Thema „Berufsvorbereitung“ dort wesentlich stiefmütterlicher behandelt als heute. Informationen über einzelne Berufsbilder besorgte man sich z.B. beim Arbeitsamt in Form von Broschüren. Heute spuckt das Internet mit wenigen Klicks tausende von Informationen zu den unterschiedlichsten Karrierechancen aus. Die Herausforderung ist inzwischen eher, aus der Flut von Möglichkeiten auszuwählen und objektive Fakten von subjektiven Meinungen zu trennen. Die Kernfrage lautet: Braucht es an Schulen wirklich mehr Berufsvorbereitung oder vielleicht nicht eher mehr Hilfestellungen für die Informationseinordnung? Oder auch mehr Eigeninitiative seitens der Schulabgänger? „Eigeninitiative ist durchaus vorhanden“, meint Katharina Buchner, Landesschülersprecherin für die bayerischen Realschulen – vor allem bemerkt sie diese jedoch bei Schülerinnen und Schülern, welche schon gewisse richtungsweisende Vorlieben für sich entdeckt haben. Sprich: Wer schon für etwas Feuer und Flamme ist, informiert sich auch eigenständiger, was die Jobwelt diesbezüglich bietet. Bei vielen Schulabgängern ist das jedoch nicht der Fall. Müsste an Schulen also stärker die Erkennung eigener Talente „unterrichtet“ werden? Diverse pädagogische Konzepte gehen bereits in diese Richtung. Ein Patentrezept, wie man zuverlässig zu Schulzeiten erkennt, was „in einem brennt“, gibt es jedoch nicht.

Prof. Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz betreut die obengenannte Studie wissenschaftlich. Auch er sieht ein Grundproblem in dem unüberschaubaren Angebot von Karriereinfos: „Ein junger Erwachsener, welcher sich am Sonntagnachmittag mit dem Tablet auf die Suche macht, ist völlig verloren.“ Erschwerend komme hinzu, dass die meisten in diesem Alter nicht wirklich ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen. Dennoch ist die “Generation Z” zu einer gewissen kritischen Selbstreflexion fähig: Auf die Frage, warum viele Ausbildungsstellen nicht besetzt würden, gaben rund 41 Prozent der Befragten die „Anspruchshaltung der jungen Generation“ an. Während nur die wenigsten exakt festmachen könnten, wo die Ansprüche zu hoch oder tatsächlich gerechtfertigt seien, kann Prof. Beck die Problematik der jungen Menschen nachvollziehen. „Sie werden so sozialisiert. Meine Studierenden machen z.B. in Unternehmen Praktika, wo sie lernen, dass der Kaffeeautomat in jedem Flur selbstverständlich ist – und damit werden Erwartungshaltungen teilweise ins Unendliche gesteigert.“ Der Wissenschaftler hegt Zweifel, dass die Schulen wirklich die Aufgabe schultern können, optimal auf Berufe vorzubereiten – letztendlich könne er den Unternehmen nur empfehlen, ihre jeweiligen Ausbildungsberufe unabhängig davon so gut wie möglich in den Fokus zu stellen und zu „vermarkten“.

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