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Mittwoch, 29 Juni 2022
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Gaffen geht gar nicht (Wegkucken aber manchmal auch nicht)

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Kuriose Unfälle und die allzu menschliche Schadenfreude

Man könnte vermuten, dass Journalisten von Berufs wegen mit besonderer “Sensationslust” gesegnet sind – auf viele meiner Kollegen in der Branche mag das durchaus auch zutreffen. Ich persönlich schlage diesbezüglich wohl etwas aus der Art. Das zeigt sich schon im privaten Bereich: Wenn ich an einem Unfall vorbeifahre, genügt mir ein kurzer Blick auf das Geschehen, um zu sehen, was die Ursache für den zähflüssigen Verkehr ist. Danach bin ich üblicherweise froh, das unfallbedingte Verkehrsnadelöhr schnell hinter mir lassen zu können – manch anderer fährt dagegen extra langsam, um noch ein paar “teilbare” Impressionen mit dem Smartphone zu schießen. Der Bußgeldkatalog sieht für „Gaffer“ übrigens Geldstrafen von 20 bis 1000 Euro vor – wenn der Tatbestand der „unterlassenen Hilfeleistung“ oder das „Fotografieren / Filmen hilfloser Personen“ belegbar ist, kann dies sogar mit einer Haftstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden.

Meine eher unausgeprägte „Sensationslust“ zeigt sich aber auch im Beruf: Habe ich die Wahl, über eine Massenkarambolage auf der Autobahn oder über ein kommunales Bauprojekt zu schreiben, wähle ich mit Vorliebe letzteres. Für zahlreiche Leser, Fernsehzuschauer und andere Medienkonsumenten mögen Nachrichten der ersten Gattung ein “Reißer” sein – weil die Welt aber voll mit solchen Meldungen ist, ist ihre Informations-Halbwertszeit meist nicht besonders lang. Soll heißen: Ein Artikel z.B. über den Bau einer neuen Kindertagesstätte wirkt nicht so „spektakulär“ – letztendlich werden von solchen Themen aber Orte, Gesellschaften und Generationen weitaus längerfristig tangiert.

An dieser Stelle sei noch gesagt: Ein „Unschuldsengel“ bin ich natürlich nicht. Es gibt durchaus Unfälle, die auch bei mir mehr als einen kurzen Blick hervorrufen – und zwar jene, bei denen man das Ergebnis eines schicksalhaften Moments sieht und sich unweigerlich fragt: Wie konnte es zu einer derartigen kuriosen Endsituation kommen? Wenn z.B. ein Fahrzeug von einer Bergserpentine abkommt und nicht ungehindert in den Graben stürzt, sondern von dem einzigen Baum in der Nähe „gabelmäßig“ aufgefangen wird, dann müssen in solchen Momenten physikalische und andere Parameter auf höchst ungewöhnliche Weise zusammengewirkt haben. Schon vor dem Internetzeitalter wurden ganze Bücher mit Schnappschüssen solcher Situationen veröffentlicht, nicht selten wiesen die Herausgeber explizit darauf hin, dass die gezeigten Unfälle ohne schwere menschliche Schäden oder gar Todesfälle über die Bühne gingen – was angesichts der Bilder oft wie ein Wunder wirkt…

Gerade beim unbeteiligten Betrachter können derartige Bilder durchaus für ein Schmunzeln sorgen. Ob das angebracht ist und ob der Spruch „Schadenfreude ist die schönste Freude“ solche Reaktionen legitimiert, muss jeder selbst für sich entscheiden. Auf der anderen Seite: Jeder von uns hat vermutlich bereits Missgeschicke oder Unfälle erlebt, welche im ersten Moment für großen Schrecken und im zweiten Moment für nervigen Papierkram und finanzielle Einbußen sorgten. Sofern Versicherungen, Werkstätten & Co. für eine problemlose Abwicklung sorgten, konnte man mit einigem Abstand dann selbst über das Erlebte (müde) lächeln. Auch dies ist im Grunde eine Art „Schadenfreude“ – nämlich die Freude darüber, dass der Schaden noch relativ glimpflich ausfiel…

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