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Samstag, 3 Dezember 2022
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Älteste Briefmarke soll bei Versteigerung Millionen bringen

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Von Benedikt von Imhoff, dpa

London (dpa) – Das Profil eines gekrönten Frauenhaupts, weiß auf schwarz, dazu die Wörter «Postage» und «One Penny»: Die Briefmarke, die als Wegbereiterin des modernen Postsystems gilt, kommt recht unscheinbar daher. Doch der Wert der «Penny Black» geht in die Millionen.

Zur Versteigerung heute in London hat das Auktionshaus Sotheby’s einen Schätzpreis von vier bis sechs Millionen britische Pfund (circa 4,75 bis 7,13 Millionen Euro) aufgerufen. Die Erfahrung zeigt, dass solche Preise durchaus realistisch sind. Im Juni versteigerte Sotheby’s eine sogenannte British Guiana One-Cent Magenta, die bisher als teuerstes philatelistisches Sammlerstück gilt, für sieben Millionen Euro.

Wegweiser des Portosystems

Nicht ausgeschlossen, dass für die Londoner «Penny Black» nun ein höherer Betrag bezahlt wird. «Dies ist die allererste Briefmarke, der Vorläufer aller Briefmarken und zweifellos das bedeutendste Stück philatelistischer Geschichte, das es gibt», sagte Auktionschef Henry House. Die «Penny Black» mit dem Profil von Queen Victoria habe das Portosystem, wie wir es kennen, begründet. Die Briefmarke stammt aus dem allerersten Druck. Außerdem ist sie ungezähnt und erstaunlich gut erhalten, auch das erhöht den Wert.

Es ist die britische Version des «Schwarzen Einsers». Die erste deutsche Briefmarke, 1849 im Königreich Bayern ausgegeben, ist auch Menschen, die sich nicht für Philatelie interessieren, bekannt, seitdem «Wer wird Millionär»-Kandidat Ralf Schnoor aus Hannover mit der Antwort «Schwarzer Einser» einst den Hauptgewinn absahnte.

Eigentümer erwarb Marke für60.000 Euro

Die Geschichte der «Penny Black» bietet einen interessanten Einblick in die Entwicklung des modernen Postwesens. Die Marke symbolisiere den Beginn der Massenkommunikation, sagte der bisherige Eigentümer, der britische Philatelist und Geschäftsmann Alan Holyoake. Vor gut zehn Jahren erwarb er die Marke mitsamt des «Wallace Document», auf dem sie klebt, für weniger als 60.000 Euro.

Bereits damals gab es Gerüchte, dass es sich um eine Marke aus dem allersten «Penny Black»-Set handelt. Doch erst jahrelange Untersuchungen von Experten der Royal Philatelic Society und der British Philatelic Association brachten Gewissheit. Es gibt vermutlich nur noch zwei weitere ähnlich gut erhaltene Exemplare der «Penny Black» aus dem ersten Druck, beide in der Sammlung des British Postal Museum.

Robert Wallace reformierte Postwesen

Sotheby’s rührt nun die Werbetrommel für das «Wallace Document». Dabei handelt es sich um einen Eintrag in ein Album, das der britische Postreformer und Parlamentarier Robert Wallace anlegte. «Erster Nachweis einer Penny-Briefmarke, die Herrn Wallace von Schatzkanzler Francis Thornhill Baring vorgelegt wurde – 10. April 1840», lautet der handschriftliche Begleittext, der den Gebrauch der Marke vom 6. Mai des Jahres ankündigte.

Wallace spielte eine maßgebliche Rolle bei der Einrichtung des modernen Postwesens. Denn bis dahin wurden Briefe noch vom Empfänger bezahlt, sobald er sie beim Postamt abholte. Die Gebühren wechselten oft, meistens wurden sie erhöht, vor allem wenn die Regierung Geld benötigte. Das änderte sich mit der «Penny Black»: Fortan zahlte der Versender die Postgebühr – Sendungen mit einem Gewicht von maximal 14 Gramm kosteten unabhängig von der Distanz einen Penny.

Schon bald wurde die schwarze Briefmarke von einer roten ersetzt, der «Penny Red». Schwarze Poststempel entpuppten sich als sicherer gegen Fälschungen, konnten aber naturgemäß auf schwarzen Marken schlechter erkannt werden. Die «Penny Black» aber blieb die Wegbereiterin. Auch mehr als anderthalb Jahrhunderte später konnten ihre Nachfolgerinnen noch immer nicht vollständig von neueren Technologien verdrängt werden, wie Sotheby’s betont.

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