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Freitag, 3 Dezember 2021
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Welche Generation hat denn nun „den Plan“?

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Nachhaltigkeitsreferent Moritz Piepel im Interview

Mit mehreren regionalen und überregionalen Rednern fand am Donnerstag vergangener Woche die 9. Nachhaltigkeitskonferenz in Neumarkt statt. Der 22-jährige Physikstudent Moritz Piepel war der jüngste Referent der Veranstaltung in den Sälen der Residenz – in seiner Eigenschaft als Vertreter des Jugendrates der Generationen Stiftung Berlin. Das Wochenblatt Neumarkt traf ihn zum Interview.

Wochenblatt: „Ihr habt keinen Plan − Darum machen wir einen!“ ist nicht nur der Titel Ihres Kurzvortrags, sondern auch der eines 2019 veröffentlichten Buches. Wer genau ist denn mit „Ihr“ und „Wir“ gemeint?

Piepel: „Wir“ sind 10 junge Menschen, die sich zusammenfanden und gesehen haben, dass wir auf eine ökologische und wirtschaftliche Krise zusteuern, weil in den letzten Jahren politisch viel zu wenig passiert ist. Mit „Ihr“ ist die Eltern- und Großelterngeneration gemeint – da von deren Seite kein Plan zu hören war, stellen wir nun selbst einen auf. Wobei wir das nicht als Schuldzuweisung interpretiert haben möchten – uns geht es darum, alle Generationen mitzunehmen. Unser Buch umfasst mehr als 100 Forderungen in 10 großen Bereichen – am wichtigsten sehe ich hier den Klimaschutz, wobei wir uns eigentlich auch in allen anderen Gebieten keine großen Verzögerungen mehr leisten können, sondern jetzt den großen Wurf brauchen.

Wochenblatt: Wie oft mussten Sie sich schon Sätze anhören wie „Forderungen aufstellen kann jeder – Euch fehlt die Lebenserfahrung, um realistisch einschätzen zu können, ob und wie etwas wirklich umsetzbar ist“?

Piepel: Ich kann es nicht mehr an den Fingern abzählen, wie oft ich das schön hören musste – gerade im Gespräch mit Abgeordneten und Ministerien. Ich denke aber, das Argument „fehlende Lebenserfahrung“ wird vor allem genutzt, um Debatten zu verhindern. In die wichtigen Fakten kann man sich meiner Ansicht nach letztendlich auch einlesen. Und wir möchten auch gerne Menschen mit viel Lebenserfahrung mitnehmen und davon profitieren − wenn man sich aber ansieht, wie es laut Wissenschaft mit dem Klima oder mit der Biodiversität bergab geht, dann kann Lebenserfahrung in den letzten Jahren nicht der allesentscheidende Faktor gewesen sein.

Wochenblatt: Jungen Menschen, die z.B. im Rahmen von „Fridays for Future“ auf die Straße gehen, wird hin und wieder auch eine Doppelmoral vorgeworfen – im Sinne von „Heute demonstriert ihr für den Klimaschutz, morgen stimmt ihr für die Abschlussfahrt nach Mallorca.“ Wie viel Potential hat die jüngere Generation wirklich, wenn es um nachhaltiges Handeln geht – mit der Betonung auf „Handeln“?

Piepel: Das Potential ist groß – auch, was die Bereitschaft zur Umsetzung angeht. Bei „Fridays for Future“ sind viele Menschen, die Nachhaltigkeit sehr konsequent leben. Ich möchte aber auch betonen, dass Nachhaltigkeit nicht unbedingt etwas mit Verzicht zu tun haben muss. Wenn wir unsere Städte klimaneutraler gestalten, bauen wir z.B. den ÖPNV weiter aus, haben mehr Grünanlagen & Co. Und all diese Dinge stellen doch einen Gewinn dar, keinen Verzicht.

Wochenblatt: Vielen Dank für das Gespräch.

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