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Samstag, 26 November 2022
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Susanne Hierl erlebte bei ihrem ersten offiziellen Besuch in Berlin eine ganze Gefühlspalette

„Als ich zum ersten Mal als frisch gewählte Bundestagsabgeordnete im Plenarsaal vor dem Bundesadler stand, spürte ich ganz stark das Verantwortungsgefühl“, sagt die noch nicht ganz frisch gebackene neue Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Amberg-Neumarkt, Susanne Hierl (CSU), im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Frisch gebacken deshalb noch nicht, weil sich der neue Bundestag erst am 26. Oktober offiziell konstituiert. Und bis dahin ist Hierls Vorgänger Alois Karl juristisch gesehen weiter Bundestagsabgeordneter.

Doch nicht nur Verantwortung spürte Susanne Hierl, als sie kurz nach ihrem überzeugenden persönlichen Wahlsieg in den Bundestag einzog, um an einer Fraktionssitzung teilzunehmen: „Einerseits macht einen das stolz, andererseits aber auch demütig“, sagt die 48-Jährige, die mit nicht weniger als 40,3 Prozent der Erststimmen das Rennen im Wahlkreis Amberg-Neumarkt klar für sich entschied.

„Ich wünsche ihr, dass sie so viel Freude an der Arbeit hat wie ich“, sagt ihr Vorgänger Alois Karl, der kurz zu unserem Gespräch hinzustieß. Natürlich ist Susanne Hierl „total begeistert“ über ihr gutes Abschneiden im Wahlkreis. Sie weiß aber auch, dass sie möglicherweise eines gewaltig von Alois Karl unterscheiden könnte. Während Karl von Anfang an Mitglied der Regierungspartei war, wird Susanne Hierl ihre umfangreiche Aufgabe möglicherweise von der Oppositionsbank aus erledigen müssen:

„Das erschwert meine Arbeit“, ahnt sie. „Ich habe das Gefühl, dass man das im täglichen Doing spüren wird.“ Halbherzig sei nicht ihre Art, bekräftigt sie – und deshalb wird sich die 48-Jährige zu 100 Prozent ihrer neuen Aufgabe widmen, will heißen: Der Vertrag in der Rechtsanwaltskanzlei, in der sie zuvor arbeitete, ruht: „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man nach 21 Jahren dort seinen Schreibtisch räumt“, sagt sie, freut sich aber gleichzeitig ungemein auf ihre bevorstehende Aufgabe: „Ich nehme mein Mandat sehr ernst.“

Als sie vor kurzem zum ersten Mal den Plenarsaal betrat, war es für sie ein besonderes Erlebnis, dort ganz einfach mit ihrem provisorischen Ausweis als kommende Bundestagsabgeordnete Einlass zu finden: „Keiner fragt, wen ich besuchen will, mit dem Ausweis geht man einfach rein“ – und trifft dort: „Menschen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, wie Merkel und Schäuble. Da wird man ehrfürchtig.“ Noch hat Susanne Hierl in Berlin nicht nach einer Wohnung gesucht, da will sie sich noch etwas Zeit lassen:

„Aus Respekt vor dem Wähler habe ich die Wahl abgewartet. Jetzt werde ich bis Ende des Jahres erst einmal ins Hotel gehen.“ Auf jeden Fall wird sie in der Nähe des Bundestages ein eigenes Büro bekommen – und nicht das Büro von Alois Karl übernehmen: „Momentan gibt es für viele Abgeordnete Übergangsräume. Es sind ja viele Wechsel, das ist eine große logistische Herausforderung. Wo mein neues Büro einmal genau sein wird, das weiß ich noch nicht.“

20 Sitzungswochen stehen pro Jahr in Berlin an. Susanne Hierl wird feste Plätze in zwei bis drei Ausschüssen haben, zu Fraktionssitzungen gehen − Freitag und manchmal auch Donnerstag tagt in den Sitzungswochen der Bundestag. So wird die 48-Jährige die knappe Hälfte eines Jahres in Berlin arbeiten – 2 Stunden und 50 Minuten dauert die Zugfahrt ab Nürnberg: „Mein Plan ist, mit dem Zug zu fahren, denn so kann ich die Zeit nutzen und auf der Fahrt mit dem Laptop arbeiten.“    

Wenn Susanne Hierl in Neumarkt ist, hat sie ein Bürgerbüro in Amberg und das in Neumarkt zu bedienen: „Der Wahlkreis ist brutal groß. Wir streben auch feste Sprechstunden an.“ In der Region wird sie Bürgermeister, Vereine, Verbände und viele andere Ansprechpartner suchen, um sich ein Bild von den aktuellen Problemen zu machen – und diese dann in Berlin ansprechen.

Da geht es um Themen wie die B299, die Bahnstrom-Thematik in Amberg oder Bundeszuschüsse für Freibäder. „Einerseits habe ich in Berlin meinen Wahlkreis zu vertreten – ich will meine Ohren offen halten und entscheiden, was wann wo reinpasst. Andererseits wartet als Bundestagsabgeordnete dort auch eine komplett andere Aufgabe auf mich. Da muss man sich oft schnell mal mit Dingen wie Verteidigungspolitik beschäftigen. Das ist spannend. Es sind zwei Welten und man muss mit beiden zurechtkommen. Als Einzelkämpfer kommt man nicht weit, deshalb ist es sehr wichtig, Netzwerke zu schaffen. So habe ich das in meiner Arbeit auch immer praktiziert.“

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