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Samstag, 25 Juni 2022
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Mit zwei Tonnen oder mit zwei Rädern zum Bäcker?

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Der Drahtesel kann nur dann das Auto ablösen, wenn er nicht geklaut wurde…

In den Diskussionen über die Verkehrswende fällt immer wieder der Begriff „letzte Meile“ – gemeint ist damit üblicherweise die Strecke, die Güter von einem Verteilzentrum zum Endverbraucher zurücklegen. Doch letztendlich betrifft dies natürlich auch Berufspendler, welche z.B. mit Zügen zum Arbeiten in die Jurastadt kommen, dann aber noch einige Kilometer zu ihren Firmen bewältigen müssen. Innerstädtisch lässt sich dafür unter anderem das Busnetz nutzen, doch auch die „sportlichere“ Variante wird immer öfter gewählt: Das Fahrrad. Wobei der ein oder andere  Pendler hier schon die böse Überraschung erlebte, dass sein am Bahnhof abgestellter und abgesperrter Drahtesel ganz „unsportlich“ entwendet wurde. „Wer mit dem Rad in Neumarkt unterwegs ist, kennt diese Problemstelle“, erklärt Verkehrsreferent Olaf Böttcher, selbst passionierter Radnutzer und lange Jahre im ADFC aktiv. Zwar sei zwischen dem (Zug-)Bahnhof und dem Busbahnhof eine überdachte Konstruktion, wo Räder abgestellt werden können, doch die Radständer seien im Grunde zu wenig, nicht mehr zeitgemäß und u.a. aufgrund fehlender Videoüberwachung auch ein beliebter Tatort für Diebe und Vandalen – nicht etwa nur in der Nacht, sondern teilweise auch dreist bei Tageslicht.

Der kluge Berufspendler reagiert auf diese bekannte Tatsache, indem er nicht unbedingt das Luxusrad an besagter Stelle parkt. Die Möglichkeit, Drahtesel risikoarm abzustellen, ist jedoch nicht unwichtig, wenn eine Kommune prinzipiell noch „radfreundlicher“ werden möchte. Olaf Böttcher betont: Sowohl er selbst als auch der neue städtische Radverkehrsbeauftragte Felix Mühlbauer hätten das Thema auf dem Schirm – da das Radständer-Areal mit dem Bahnhofsgelände verbunden ist, müsse die Deutsche Bahn jedoch auch in dieser Angelegenheit mit am Tisch sitzen.

Verkehrsreferent Olaf Böttcher; Foto: FMR Neumarkt

Rund 40 Kilometer weiter im Frankenland versuchte man, auf die Frage „Wohin mit den Pendlerrädern“ eine bauliche Antwort zu liefern – am Südausgang des Nürnberger Hauptbahnhofes entstand eine Fahrradgarage, in welcher man gegen Entgelt die Zweiräder abstellen kann. Noch wird die neue Einrichtung nicht wirklich so stark genutzt wie von den Initiatoren gedacht – was letztere u.a. durch die Corona-Pandemie auf das geänderte Verkehrsverhalten zurückführen. Olaf Böttcher sieht den Bau eines professionellen, überwachten Fahrradparkhauses dennoch als eine wünschenswerte Option für Neumarkt – wobei natürlich auch hier wieder die Frage ist, auf welchem Areal sich ein solches Projekt umsetzen ließe.

Und dann bleiben da noch die Risiken, welche immer mitfahren, wenn der Berufspendler auf den nicht-entwendeten Sattel steigt und sich in den Verkehr wagt. „Gleich in der Bahnhofstraße finden sich neuralgische Punkte, wo sich was tun sollte – die Straße wird in absehbarer Zeit neu gestaltet, ich hoffe, dass es dann für Radfahrer mehr gibt als die momentan abmarkierten Streifen.“

Letztendlich gibt Böttcher ganz offen zu, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen: Als langjähriger Aktiver im Deutschen Fahrradclub würde er gerne das Zweirad besonders in den Fokus stellen und hofft, dass sich auch im automobil-geprägten Landkreis Neumarkt noch mehr Begeisterung für diese Art der Fortbewegung wecken lässt – gerade dann, wenn sich diese noch besser mit den Angeboten an öffentlichen Verkehrsmitteln vereinbaren lässt. Auf der anderen Seite sollte er als Verkehrsreferent des Stadtrates aber die Interessen aller Verkehrsteilnehmer in Betracht ziehen. Also auch die der Autofahrer. Und hier ist der Grünen-Politiker überzeugt: Die Mischung muss es machen. Im motorisierten Individualverkehr alle Verbrennermotoren durch Elektroantriebe zu ersetzen, werde die Klimawandel-Probleme nicht lösen. Die Frage, welche eher gestellt werden müsse, ist seiner Ansicht nach: Macht es wirklich Sinn, ein Zweitonnen-Fahrzeug zu bewegen, um beim Bäcker ein paar Brötchen zu holen?

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