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Mittwoch, 28 September 2022
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Ernste Wörtchen über stille Örtchen

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Eine schier unendliche Geschichte

„Gut Ding will Weile haben“ sagt ein altes Sprichwort. Und genau diesem Leitspruch scheint man in Neumarkt zu folgen, wenn es um die Sanierung bzw. den Neubau einer öffentlichen Toilette in Rathausnähe geht. Seit fast zwanzig Jahren steht dieses Thema auf der städtischen Agenda, verschwand zwischendurch in der Versenkung und sorgt aktuell wieder für reichlich Diskussionsstoff. Fakt ist, dass eine moderne, zentrumsnahe und barrierefreie WC-Anlage, welche problemlos vom Unteren und Oberen Markt erreichbar ist, wahrlich kein Luxus wäre und auch kein allzu großes Loch in das Stadtsäckel reißen würde. Zumindest in diesem Punkt herrscht allseits Einigkeit. Fakt ist auch: In zahlreichen Nachbarorten in der Oberpfalz und Franken bieten Gemeinden teilweise direkt in ihren Rathäusern „stille Örtchen“, welche größtenteils kostenlos sind, hygienisch einwandfrei wirken und – erstaunlicherweise – von Vandalismus nicht wirklich betroffen scheinen.

Mit den WCs in der Parkgarage Ringstraße bzw. Rosengasse sowie dem stillen Örtchen im Souterrain an der Rathaus-Rückseite gibt es zwar fußläufig Anlaufstellen. Doch diese versprühen weder den Charme einer gepflegten Toilettenanlage, noch sind sie wegen ihres penetranten und undefinierbaren Geruchs für empfindliche Nasen oder Sauberkeitsfanatiker erste Wahl. Stolperstellen am Treppenabgang, weggerostete Türschwellen, verkalkt wirkende Edelstahleinrichtungen sowie abblätternde Farbe an den Wänden – eine Frischzellenkur mit schmalem Budget dürfte hier wohl eher nicht ausreichen. Laut Pressesprecher Dr. Franz Janka werden diese WCs zweimal täglich gereinigt und bekommen zudem alle zwei Monate eine Grundreinigung spendiert – scheinbar ohne den erwünschten Erfolg. Innenstadtreferentin Gerlinde Wanke ist davon überzeugt, dass die komplette und notwendige Instandsetzung des Rathaus-WCs in keinem positiven Kosten-Nutzen-Verhältnis steht.

Wohin, wenn die Blase drückt?

Knackpunkt war lange Zeit die Standortfrage für einen Neubau. Auch wenn manche Neumarkter vom Gegenteil überzeugt sind – laut Informationen aus dem Rathaus scheint es im Stadtzentrum keinen geeigneten Platz, welcher in öffentlicher Hand ist. Daher begann die Suche nach einer Alternative. Diese wurde schließlich in der Nähe des Pfarrhauses gefunden. Allerdings befindet sich dieses Areal in Kirchenbesitz. Bei Übernahme aller Kosten durch die Stadt wird eine Bebauung an dieser Stelle vom Bistum Eichstätt und Münsterpfarrer Norbert Winner begrüßt und auch unterstützt. Den Standort hält auch Innenstadtreferentin Gerlinde Wanke für annehmbar und könnte sich als Übergangslösung die Anschaffung eines mobilen Toilettenhäuschens, welches sich in der Umgebung des Rathauses geschickt verkleidet aufstellen lässt, vorstellen.

Gottes Mühlen mahlen langsam

Die Baupläne für die Maßnahme auf Kirchengrund sind erstellt und liegen bei den zuständigen Gremien in Eichstätt zur Begutachtung und Freigabe vor. Die Stadtverwaltung hat nun die Aufgabe, Verträge zur langfristigen Nutzung in Form von Erbbaurechten, Bauten auf fremden Grund und Boden sowie zur Instandhaltung und den laufenden Kosten auszuarbeiten. „Erfahrungsgemäß werden diese juristischen Verhandlungen zwischen Bistum und Stadt Monate dauern“, bedauert Wanke. „Anschließend folgen noch die Genehmigungsverfahren hinsichtlich Stadtrat und Finanzierung sowie letztendlich die Umsetzung des Bauvorhabens“. Trotz aller Bemühungen der zuständigen Behörden, Architekten der Stadt Neumarkt und der Kirchengremien wird diese neu angedachte, für den Nutzer übrigens kostenfreie Toilette nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können. „Auch angesichts des nahenden Weihnachtsmarktes sollte daher eine kurzfristige finanzschonende Renovierung der bestehenden Toilettenanlagen durchgeführt werden“, so Wanke.

Wann diese unendliche Geschichte in Neumarkt ihr Ende findet, steht in den Sternen. Folgender Kommentar eines Bürgers aus Pölling sei den Lesern nicht vorenthalten: „Bis in Neumarkt ein öffentliches WC geplant und gebaut ist, hat man in China zwei Millionenstädte aus dem Boden gestampft.“

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