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Montag, 26 September 2022
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Das problematische N-Wort

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Neu gegründete „Akademie N“ will Bildungsmaterial entwickeln

Nein, es geht nicht um das N-Wort, das als diskriminierende Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe gilt. Sondern um einen Begriff, welcher in den letzten Jahren eher öfter als seltener in den Mund genommen wird: Die teilweise inflationäre Benutzung und die recht diffuse Definition machen „Nachhaltigkeit“ in gewisser Hinsicht auch zu einem problematischen „N-Wort“.

Der eigentliche Anlass, sich darüber Gedanken zu machen, ist die Vorstellung der „Akademie N“, welche letzte Woche im LGS-Park stattfand. Im Lauf der vergangenen Monate unterstützte die Stadt Neumarkt mit 15.000 Euro die Gründung einer gemeinnützigen GmbH, welche ihr Ziel im eigenen Slogan folgendermaßen beschreibt: „Wir helfen, Nachhaltigkeit zu begreifen.“

Die finanziellen Mittel stammen dabei aus dem Preisgeld, welches die Kommune mit der Auszeichnung „Hauptstadt des Fairen Handels“ erhielt. Zum Team der „Akademie N“ gehören unter anderem die ehemalige Bürgermeisterin Ruth Dorner, welche mit Kaufmann Christoph Hammer die Geschäftsführung übernimmt, sowie Ralf Mützel, der Leiter des städtischen Amtes für Nachhaltigkeitsförderung.

Zusammen mit Expertinnen für Pädagogik und Illustration haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, für Schüler unterschiedlichster Schulformen und Altersgruppen Bildungsmaterial zum Thema „Nachhaltigkeit“ zu entwickeln. Beispiele für solche Materialien waren schon beim Pressetermin im LGS-Park zu sehen – darunter Aufsteller aus recyclebarem Plastik mit Hintergrund-Infos zu Umweltthemen sowie bunte Bodenaufleger in Form von Fußspuren.

Jeder Fußabdruck stellt dabei eine Quizfrage z.B. zur Häufigkeit von Fleischkonsum oder zur Versorgung des eigenen Haushalts mit „grünem“ Strom. Denkansätze sollen letztendlich spielerisch vermittelt werden – die Macher der „Akademie N“ greifen dabei auf jahrelange Erfahrung mit Pädagogik-Aktionen im „Eine-Welt-Laden“ in Neumarkt zurück.

Und dennoch ist es wohl kaum ein Kinderspiel, die wahre Komplexität des N-Wortes angemessen zu vermitteln – allein schon aufgrund des Wandels, welchen der Begriff „Nachhaltigkeit“ durchlief. Seine Wurzeln gehen bis in die Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts zurück – damals entstand die Idee des nachhaltigen Arbeitens in den Wäldern, indem nur so viele Bäume gefällt wurden wie nachwachsen konnten.

Dieser ressourcen- und umweltschonende Aspekt wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte durch weitere Facetten wirtschaftlichen und sozialen Denkens ergänzt – auch „Fairer Handel“ gehört zum Beispiel inzwischen zum weiten Feld der Nachhaltigkeit. Aktuell wird nachhaltiges Handeln u.a. durch die Maxime „Erfülle deine Bedürfnisse so, dass die nächsten Generationen ihre Bedürfnisse auch noch erfüllen können“ umschrieben – was heutige und zukünftige Generationen wirklich brauchen oder nur zu brauchen glauben, steht dabei natürlich noch auf einem anderen Blatt.

Inzwischen wurde der N-Begriff so erweitert, dass man sich stellenweise darüber streiten kann, ob gewisses Handeln wirklich nachhaltig ist. Weniger Fleisch zu essen mag sich z.B. positiv auf die CO₂-Bilanz auswirken, der Metzger im Dorf und dessen Angestellte dürften aber einen regelmäßigen oder gar kompletten Verzicht auf Steaks, Wurst & Co. ökonomisch kaum als „nachhaltig“ bezeichnen. Die wahre Herausforderung ist im Grunde, nachhaltig zu handeln und dabei die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen möglichst in der Balance zu halten – im besten Fall natürlich global.

Wünschenswert wäre es zudem, dass kommende Generationen frühzeitig lernen, das N-Wort mit Vorsicht zu genießen. Im Bereich „Greenwashing“ wird schließlich oft versucht, dem Konsumenten ein X für ein N vorzumachen – Nachhaltigkeit ist hier ein Verkaufsargument für Produkte, die bei genauerem Hinsehen so wenig mit diesem Begriff zu tun haben wie das andere problematische N-Wort mit „Political Correctness“ im Jahr 2021. Bildung zum Thema „Nachhaltigkeit“ sollte also zunächst mal genaues Hinsehen fördern – sowohl beim eigenen Handeln als auch beim Handeln Dritter.

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