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Montag, 6 Februar 2023
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Alpenvereins-Biker wollen die „Jura-Trails Neumarkt“

Schaufenster Neumarkt

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Sieben offizielle Strecken sollen entstehen – Gespräche mit allen Beteiligten laufen bereits

„Kanalisieren“ heißt das Zauberwort. Und: „Wildwuchs vermeiden“. Die in der Alpenvereins-Sektion Neumarkt organisierten Mountainbiker wollen zwischen Weichselstein und Mariahilfberg sieben offizielle Trails für Enduro-Fahrer bauen – oder besser gesagt renovieren, denn sie sind in ihrer Grundform bereits vorhanden. Für dieses sensible Objekt macht sich auch der Neumarkter SPD-Ortsverein stark, der den Alpenverein als Partner mit ins Boot genommen hat.

Günther Stagat (l.) und Bernhard Hollweck arbeiten in Sachen Enduro-Trails zusammen.

Gespräche mit allen Beteiligten sind am Laufen. „Es ist geplant, dass die illegal vorhandenen Mountainbike-Strecken legalisiert werden“, sagt Bernhard Hollweck, Vorsitzender der Sektion Neumarkt des Deutschen Alpenvereins. „Man soll ohne rechtliche Probleme fahren können.“

Rechtliche Probleme ruft im Wesentlichen ein Gesetz hervor, nach dem grundsätzlich der Waldbesitzer für seine Wege haftet, wenn etwas passiert. Nun sind aber bereits Enduro-Trails vorhanden und allgemein werden die dafür nötigen illegalen Einbauten in der Region immer häufiger. „Die Trails wurden mit Holzeinbauten versehen, sind nicht professionelles Bastelwerk und zum Teil verwittert“, sagt Bernhard Hollweck. „Da besteht Unfallgefahr. Wir schließen eine Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Neumarkt, dass der DAV für die entstehenden offiziellen Trails künftig in die Haftung geht.“

Der 6613 Mitglieder starke Neumarkter Alpenverein habe derzeit 120 aktive Mountainbiker – nicht nur Enduro-Fahrer allerdings. „Wir sind über den Hauptverband versichert“, sagt Hollweck. Voraussetzung dafür ist aber, dass der fragliche Enduro-Fahrer auch Alpenvereinsmitglied ist – wenn nicht, greife die Regel-Haftpflicht der Gemeinden – der Waldbesitzer sei somit aus dem Schneider, zeigen sich die Mountainbiker unter ihrem Projektleiter Philipp Kölbl zuversichtlich.

Die Enduro-Fahrer auf dem Weg zu ihrem anspruchsvollen „Hunter-Trail“

Nun, um nach dem ursprünglichen Status ganz sicher zu sein, müsste die Stadt eigentlich die vorhandenen illegalen Einbauten entfernen. Das viel produktivere Renovieren der vorhandenen sieben Trails würde 130 000 Euro kosten, 100 000 Euro habe die Stadt bereits in Aussicht gestellt, sagt der Sektionsvorsitzende. Damit möchte man das Schicksal verhindern, das solcherart Trails zum Beispiel im Nürnberger Reichswald droht: Sie werden dort beseitigt.

Dies aber wollen die Neumarkter Alpenvereins-Biker, die enthusiastisch bei der Sache sind, auf keinen Fall. Sie möchten ihre kartierten „Jura-Trails Neumarkt“ schaffen mit Namen wie „Hunter“ oder „Diabolo Snake“. Letzterer soll das Aushängeschild werden und im Gegensatz zu den sechs naturnahen anderen Wegen, die nur kleine Rampen und Kurven haben, auch mit Steilkurven und Sprungschanzen versehen werden, sagt Bernhard Hollweck.

Die Enduro-Fahrer auf ihrem anspruchsvollen „Hunter-Trail“

700 Arbeitsstunden haben die Biker laut Günther Stagat, Neumarkter SPD-Fraktionsvorsitzender, bereits geleistet, weitere 700 stehen an. Danach soll es ein schickes, mit Logo versehenes Eingangstor für jeden Trail geben. „Darauf befinden sich auch Punkte mit Rettungszonen“, sagt Bernhard Hollweck, der erreichen will, „dass die neuen Trails so gut sind, dass keine weiteren gebaut werden.“

Enduro-Fahrerin Lisa Plank:

„Die technische Herausforderung ist der Reiz, und natürlich der Adrenalin-Kick. Besonders Spaß machen mir die Treppen, man kommt in einen mittelschnellen Flow, ist voll bei sich und hoch konzentriert.“

Ein „cooles Projekt“ findet die stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Rebecca Frank, das Ganze. „Die Freizeitgestaltung in und um Neumarkt ist uns wichtig, solche Trails sind eine gute Plattform.“ Die SPD wolle „viele Ämter integrieren“, stelle Kontakte zu Behörden her und begleite Biker und Alpenverein bei den nötigen Gesprächen.

Mit allen 20 Waldbesitzern habe sich der Alpenverein mittlerweile ausgetauscht, sagt Bernhard Hollweck: „Wir haben nur positive Rückmeldungen. Es werden von Rechtsanwälten geprüfte Verträge unterschrieben, keiner soll einen Nachteil haben.“ Mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde habe eine Ortsbegehung stattgefunden, das Wasserwirtschaftsamt sei ebenfalls involviert: „Wir dürfen keine Toiletten aufstellen, kein Parkplatz darf entstehen, es wird keine Großveranstaltung ausgetragen und es dürfen keine Rennen stattfinden“, klärt Günther Stagat über das Ergebnis auf.

Enduro-Fahrerin Mirjam Kölbl:

„Es ist das volle Naturerlebnis. Man ist bei Kälte, Nässe und Wärme körperlich gefordert. Enduro fördert die Konzentration. Wir fahren mit dem Bike auch bergauf, aber der Fokus liegt auf der Abfahrt.“

„Transparent“ wolle man sein und „alle mitnehmen“. Dem Bund Naturschutz werde man das Gelände zeigen – und natürlich habe es auch schon Gespräche mit den fünf betroffenen Jägern gegeben: „Wir verstehen alle Einwände und sind vernünftig auseinander gegangen“, freut sich Sektions-Präsident Hollweck. Man müsse „Kompromisse finden“, denn das Gebiet könne man für die Jagd nicht mehr nutzen.  Auf jeden Fall werde man Nachtfahrten verhindern. Auch die Stadtförsterin sei involviert. Im August wird das Thema bei einer Mitgliederversammlung des Jagdverbandes vorgebracht – Vertreter der Politik und des Alpenvereins sind dabei.

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