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Montag, 26 September 2022
StartKurz und wichtigVeranstaltungsreihe „Flächensparen in der Oberpfalz“ erfolgreich gestartet

Veranstaltungsreihe „Flächensparen in der Oberpfalz“ erfolgreich gestartet

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Jeweils rund 80 Teilnehmer bei den ersten beiden Online-Seminaren zum Bedarfsnachweis und zum Flächenmanagement

„Ziel der Veranstaltungsreihe ‚Flächensparen in der Oberpfalz‘ ist es, die Kommunen und Planungsbüros im Rahmen der Flächensparoffensive der Bayerischen Staatsregierung für das Thema Flächensparen zu sensibilisieren, über gute Beispiele aus der Praxis Anregungen für Innenentwicklungsmaßnahmen zu geben und fachliche Unterstützung anzubieten, damit die Planungen in der Oberpfalz in der Zukunft noch flächeneffizienter werden“, betonen Patrick Dichtler und Markus Roth, beide Flächensparmanager im Sachgebiet Raumordnung, Landes- und Regionalplanung an der Regierung der Oberpfalz. Denn Innenentwicklung bietet viele Vorteile: Es stärkt die Ortszentren, spart Folgekosten, festigt den Werterhalt im Immobilienbestand, schützt Natur und Landschaft und hält vor allem auch Möglichkeiten für eine zukünftige Entwicklung offen.

Jeweils rund 80 Teilnehmer – darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Planer, Architekten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bauverwaltungen der Städte und Gemeinden der Oberpfalz – informierten sich in den beiden dreieinhalbstündigen Online-Veranstaltungen Mitte und Ende November 2021 über Ansätze für eine flächeneffiziente und nachhaltige Siedlungsentwicklung.

Schwerpunkt der ersten Veranstaltung war der sogenannte „Bedarfsnachweis“, den Kommunen führen müssen sobald sie neue Bauflächen ausweisen möchten. Der Bedarfsnachweis wurde im Rahmen der Flächensparoffensive bayernweit standardisiert und hat zudem deutlich an Bedeutung gewonnen. So prüfen die Höheren Landesplanungsbehörden, die jeweils bei den Bezirksregierungen angesiedelt sind, im Rahmen der Beteiligungsverfahren, ob für geplante Neuausweisungen für Wohnen oder Gewerbe ein konkreter Flächenbedarf belegt werden kann. Dadurch soll erreicht werden, dass vor der Ausweisung neuer Flächen zunächst vorhandene Innenentwicklungspotenziale (also Leerstände, Brachflächen, Baulücken usw.) genutzt werden. Markus Roth stellte dar, welche Schritte bei der Durchführung des Bedarfsnachweises notwendig sind und welche Hilfsmittel den Gemeinden und Planern hierfür zur Verfügung stehen. Patrick Dichtler zeigte anhand zweier Fallbeispiele, wie eine modellhafte Bedarfsermittlung für Wohnbaugebiete aussehen kann.

Das Thema „Flächenmanagement“ stand im Mittelpunkt der 2. Veranstaltung. Dr. Sabine Müller-Herbers von der Baader Konzept GmbH gab einen Einblick in Anwendung der Flächenmanagementdatenbank des Landesamts für Umwelt. Das Tool steht als Hilfsmittel für die Planung kostenlos zum Download zur Verfügung und ermöglicht es Gemeinden und Planungsbüros, Innenentwicklungspotentiale zu erfassen und auszuwerten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Eigentümer von Leerständen, Brachflächen und Baulücken mittels eines Fragebogens automatisiert anzuschreiben und schließlich in einem dritten Schritt diese Flächen in einer Bauland- und Immobilienbörse zu veröffentlichen. „Mit der Flächenmanagementdatenbank erhält man einen guten Überblick über die vorhandenen Potentiale in jedem Ortsteil und kann dann strategisch planen, wie sich diese in Zukunft entwickeln sollen“, fasste Dr. Müller-Herbers zusammen.

Arthur Arnold, Altbürgermeister der Gemeinde Euerbach im Landkreis Schweinfurt, hat die Flächenmanagementdatenbank in seiner Gemeinde selbst eingeführt und berichtete, wie Innenentwicklung in der Praxis funktionieren kann. „Wir haben in Euerbach einen Bevölkerungszuwachs von 2,8 Prozent erzielt. Allerdings geht erfolgreiche Innenentwicklung vor allem auch über Interkommunale Zusammenarbeit“, betonte Arnold. Zusammen mit neun weiteren Gemeinden engagiert sich Euerbach daher  in der interkommunalen Allianz Oberes Werntal seit 2008 für eine konsequente Innenentwicklung. Das Ergebnis der Erhebung der Innenpotentiale wie z.B. Baulücken, Brachflächen oder Leerstände in den zehn Gemeinden ließ aufhorchen: Es gibt zehnmal mehr Innenentwicklungspotentiale als Wohnbaulandbedarf. Natürlich können nicht alle Baulücken sofort bebaut und Leerstände nachgenutzt werden, aber fortan unterstützen die Gemeinden der Allianz mit einem breiten Bündel an Maßnahmen die Innenentwicklung. Es wurden z.B. kommunale Förderprogramme aufgelegt, Lotsen für Bauwillige eingesetzt, Tage der Innenentwicklung durchgeführt und viel Arbeit in die Information der Bürgerinnen und Bürger vor Ort gesteckt. Mit Erfolg: so konnten in den letzten zehn Jahren etwa 545 Baulücken auch tatsächlich bebaut werden. Das entspricht einer Fläche von rund 48 ha, die im Außenbereich eingespart werden konnte. „Wichtig ist es, dass man die Bürgerinnen und Bürger an die Hand nimmt und mit einbindet. Wenn Gemeinden die gleiche Energie in die Innenentwicklung stecken, wie in die die Entwicklung von Neubaugebieten, dann kann man viel erreichen. Und es lohnt sich, weil wir damit unsere Ortskerne, die Herzen unserer Dörfer, weiter kräftig schlagen lassen und sie ihre Attraktivität behalten.“, ergänzte Arnold abschließend.

Dr. Müller-Herbers ging im Rahmen der beiden Veranstaltungen auch auf die Folgekosten der Siedlungsentwicklung für Kommunen ein. Bei Innenentwicklungsmaßnahmen sind Erschließungen, Kanal etc. meist schon vorhanden, während diese bei Neuausweisungen im Außenbereich erst neu gebaut werden müssen und neben den Herstellungskosten auch in den Jahrzehnten danach noch erhebliche Folgekosten für die jeweilige Gemeinde nach sich ziehen. „Deshalb ist es wichtig, sich bereits vor der Planung damit auseinanderzusetzen“, erklärte Dr. Müller-Herbers. Eine Neuausweisung einer Einfamilienhaussiedlung mit großen Grundstücksflächen zieht z.B. pro Einwohner wesentlich höhere Folgekosten nach sich als eine Mischung aus Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Reihenhäusern mit weniger Grundfläche. Einen Überblick über die verschiedenen Planungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Kosten liefert der Folgekostenschätzer, den Dr. Müller-Herbers den Teilnehmenden vorstellte.

Die Veranstaltungsreihe „Flächensparen in der Oberpfalz“ soll im neuen Jahr mit einer dritten Veranstaltung zum Thema „Fördermöglichkeiten für Innenentwicklung“ fortgesetzt werden. Parallel dazu setzt das Flächensparmanagement auf eine Kommunikationsoffensive. In zahlreichen Veranstaltungen informierten die beiden Flächensparmanager bereits über das Thema Flächensparen, wie beispielsweise auf Bürgermeisterdienstbesprechungen in den Landkreisen Schwandorf und Tirschenreuth, auf dem Oberpfälzer Bautag, bei Oberpfälzer Naturschutzbeirat, bei Treffen der IHK-Wirtschaftsförderer und auch darüber hinaus. Im nächsten Jahr ist zudem eine Kommunalbefragung geplant, die auch in anderen Regierungsbezirken durchgeführt wird. Im Rahmen der Befragung sollen Daten und Fakten rund um das Thema Flächensparen in der Oberpfalz erhoben werden.

Dichtler und Roth sehen das Thema „Flächensparen“ als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Jeder einzelne von uns wohnt und kauft ein, nutzt Verkehrsinfrastruktur und Energie. All das nimmt Fläche in Anspruch. Jeder kann also dazu beitragen, Flächen effizient zu nutzen und dabei einen echten Mehrwert für Natur und Gesellschaft schaffen“, betonten die beiden Flächensparmanager.

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