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Samstag, 1 Oktober 2022
StartKurz und wichtigInnenstädte pushen

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Beim IHK-Werkstattgespräch diskutierten Experten und Bürgermeister über Zukunft der Ortszentren.

Beim IHK-Werkstattgespräch diskutierten rund 90 Experten und Bürgermeister aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim über die Zukunft der Ortszentren. „Eine Innenstadt punktet mit ihrem einmaligen Charakter. Den wirtschaftlichen Erfolg unserer Region erbringt zu einem großen Teil das produzierende Gewerbe, doch auch innerstädtischer Handel und Dienstleister sind bedeutende Wohlstandsbringer. Darüber hinaus tragen sie wesentlich zur Identifikation der Menschen mit ihrem Ortskern bei“, sagte der Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim Michael Matt eingangs. Dabei sind die Herausforderungen angesichts der Corona-Pandemie größer geworden. „Nur wenn Leben in der Innenstadt herrscht, ist diese krisenfest aufgestellt“, so Matt. „Wir müssen die Menschen wieder von der Couch in das innerstädtische Wohnzimmer bekommen.“ Das sah auch der Oberpfälzer Regierungspräsident Walter Jonas in seinem Grußwort so. „Stadtentwicklung ist kein Selbstläufer. Sie kann nur gemeinsam mit den Akteuren vor Ort gelingen.“ Zusammen mit Experten aus Wirtschaft und Kommunen beleuchtete die IHK Strategien.

Welche Rolle spielt der Handel noch?

Warum konzertierte Stadtentwicklung wichtig ist, zeigte Christian Eckert von der imakomm Akademie GmbH. Er präsentierte die Ergebnisse der nationalen Studie „Zukunftsfeste Innenstädte“. Knapp die Hälfte der befragten Kommunen gab an, dass der Einzelhandel in ihren Zentren künftig keine dominierende Rolle mehr spielen werde. Zudem rechnen die Befragten vermehrt mit Leerständen. „Ein neues Geschäftsmodel für die Zentren ist also nötig. Die Kommunen müssen anfangen umzudenken.“ so Eckert. „In einer resilienten Innenstadt ist der von Akteuren gern geäußerte Satz „Das haben wir immer schon so gemacht.“ nicht nur falsch, sondern mittlerweile sogar gefährlich für die Wettbewerbsfähigkeit des Zentrums. Er zeigt nämlich, dass es an Diversität der Meinungen, an Lust auf Wandel und an neuen Ideen fehlt. Genau das brauchen die Zentren aber mehr denn je.“

Das sieht auch Barbara Schelle. Die Stadtbaumeisterin der Stadt Freising zeigte in ihrem Vortrag die Umgestaltung der Altstadt von Freising. Durch umfangreiche städtebauliche Maßnahmen, darunter die Freilegung der Moosach im Stadtgebiet und die Neugestaltung der gesamten Hauptstraße, sowie der Umwidmung weiter Teile der Innenstadt zur Fußgängerzone, wurde die Aufenthaltsqualität enorm gesteigert. „Um die Akzeptanz für solch einschneidende Baumaßnahmen zu gewinnen, ist es absolut erforderlich, auch die Unternehmen vor Ort sowie die Anwohner in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden.“ so Schelle.

Leben für den Markt, ein Labor für die Stadt

Das es auch im IHK-Bezirk neue, kreative und innovative Ideen zur Stadtentwicklung gibt, belegten die Gewinner des IHK-Kommunalentwicklungs-Award 2021 im Praxisgespräch. Brigitte Kempny-Graf von der Wirtschaftsförderung Langquaid berichtete, wie mit Hilfe des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ wieder Leben in den Markt kam. Zentrale Gebäude im Ortskern wurden saniert und werden inzwischen neu genutzt – für Wohnen, Handel, Hotellerie, Gastronomie und als Therapiezentrum. Unternehmen fanden zurück in die Innenstadt, gleichzeitig entwickelte das Stadtmarketing die Dachmarke „Lebenswert-Liebenswert-Langquaid“, um eine stärkere Kundenbindung der Bevölkerung für den Standort zu schaffen. Laut Markus Resch, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei und Vorsitzender des Gewerbevereins Langquaid, wurden die Unternehmer dabei in die Entscheidungen mit eingebunden.

Über ein Stadtlabor in Amberg berichtete die dortige Wirtschaftsförderin Verena Fitzgerald. In ein leerstehendes Reisebüro innerhalb der Fußgängerzone zog zur Zwischennutzung das Stadtlabor ein. Auf rund 100 Quadratmetern wurde Raum für neue Projekte geschaffen: Die lokale Gründerszene findet dort Platz, Ideen für den lokalen Handel können unkompliziert getestet und neue Nutzungskonzepte für die Zukunft der Innenstadt aufgezeigt werden. Neben digitalen Schaufenstern, Showrooms und Verkaufsbereichen gibt es beispielsweise flexible Arbeitsplätze für Co-Working. Nur positive Erfahrungen konnte auch Daniela Hottner, Inhaberin des Concept Stores ZENTRAL schönes & feines, berichten. Zur Weihnachtszeit fand Sie wegen Bauarbeiten in ihrem Laden übergangsweise Unterschlupf mit ihren Waren im Showroom des Stadtlabors. So konnte sie weiter Umsätze generieren und erste Ideen für ihren späteren Concept Store ausprobieren. Für beide war dabei der Leitsatz von OB Michael Cerny wichtig: „Im Stadtlabor kann man einfach mal machen. Hier probieren Kreative ihre Ideen aus und wenn es mal nicht klappt, hat man eben was gelernt.“

Innenstadt blüht auf

Für die Stadt Cham suchte Bürgermeister Martin Stoiber eine Möglichkeit, unter Beachtung aller Hygiene- und Abstandsregeln während der Corona-Pandemie den Händlern eine Perspektive und den Bürgern mehr Lebensqualität zu bieten. Unter „Cham blüht auf 2021 – ein Sommertraum“ wurden im Stadtkern Schaufenster zu Galerien und zeigten die Kunst regionaler Künstler. Mithilfe von umfangreichen Bepflanzungen, verteilt im gesamten Innenstadtgebiet, oder dem rathausnahem Märchenwald wurde so eine Aufenthaltsqualität geschaffen, die Kunden und Touristen in die Innenstadt locken soll. Helmut Hagner von der Unternehmensgruppe Frey konnte positive Effekte durch die Aktion wahrnehmen, appellierte aber auch, weiter dranzubleiben. „Sowohl Politik als auch Händler müssen sich weiterentwickeln und offen für neue Ideen bleiben.“

Damit auch andere Kommunen ihre Zentren auf Vordermann bekommen können, stellt die Städtebauförderung umfangreiche Mittel zur Verfügung. So präsentierte Dr. Hubert Schmid – Sachgebietsleiter Städtebau bei der Regierung der Oberpfalz – das Förderprogramm „Innenstädte beleben“. Mit 100 Millionen Euro hat Bayerns Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr die Kommunen bei Projekten zur Belebung der Innenstädte unterstützt. 13 Millionen hiervon flossen in die Oberpfalz.

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