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Samstag, 20 August 2022
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GOLLY + NICKS FREUNDE

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Das Experiment ist geglückt, das Publikum war aus dem Häuschen: auf der Bühne stand am vergangenen Samstag (zwar etwas verloren) der Golly, bewaffnet lediglich mit einem Tenorsaxophon. Um ihn herum seine Band “Nicks Freunde”, eine Konservencombo, die er vorstellte, als wäre sie leibhaftig da. Da wurden duchaus illustre Namen aus der fränkischen Szene erwähnt: Ralf Trautner (Gitarre), Udo Schwendler (Trompete), Miller The Killer (Piano), aber auch der Oberpfälzer Wolfgang Kamm (Didgeridoo) und der Mongole Naidvartai Zett (Schlagzeug).

Sie alle hatten zu Gollys Kompositionen die passenden Musikdateien beigetragen, die von ihm im hauseigenen Studio während der einsamen Corona-Zeit verarbeitet wurden. Heraus kam pünktlich zum vierzigjährigen O’wei-Jubiläum die CD “Bluesgeziefer”, zu der Golly eine Unmenge an Musikinstrumenten beisteuerte: Saxophone, Viola, Gitarre, Bluesharp, Keyboard, E-Bass und einen oft vierstimmigen Gesang, der – auch a cappella – beindruckt. Klar, er hätte gerne eine Band aus Fleisch und Blut um sich geschart, das wäre weniger stressig gewesen, sagt er, weil sich aller Augen nicht nur auf einen Einzigen hätten fokussieren müssen. Nun, das mit der Liveband ging leider nicht: der für Golly unersetzliche Drummer ist zu weit weg, und noch unerreichbarer ist Sologitarrist Peter Schöberl, der im Sommer völlig unerwartet starb. Und so erklangen ein paar großartige E-Gitarren-Soli quasi aus dem Jenseits – in beeindruckendem Sound übrigens; und das galt für alle Beteiligten.

Die äußerst abwechslungsreichen Kompositionen sind Träger oft tragischer Geschichten: Golly schlüpft in die Rolle von Nichtsesshaften, von Ausgegrenzten, von Menschen, die aus der Kurve getragen wurden, und hebt damit den Begriff “Blues” zurück auf das Podest, das dieser wunderbaren Musik zusteht. Dass er das in breitem Nürnberger Dialekt tut, ist natürlich ein Wagnis und in diesem Fall ohne Zweifel ein Gewinn. Um das Publikum nicht in allzu melancholische Stimmung zu versetzen, las Golly quasi als Kontrapunkt aus seinem Fundus von Fake-Kritiken: darin würdigt er Musiker, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt und beschreibt deren meist zur Geisterstunde stattfindenden Konzerte auf eine Art und Weise, die oft zum Brüllen komisch ist. Dass er dabei eine komödiantische Ader an den Tag legt, hat man so an ihm jedenfalls bislang nicht gesehen. Jedenfalls wurden die hoffentlich folgenden zweiten vierzig Jahre Kneipenbühne würdevoll eingeläutet. Die CD “Bluesgeziefer” ist in der Kneipenbühne erhältlich.

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