Wenn Blumen und Feste blühen...

Wenn Blumen und Feste blühen...

Ulrich Badura

Auf dem prominent am Ortseingang von Mittelricht gelegenen Feld blühte im letzten Jahr noch Mais, 2019 wollten Thekla und Johann Heßlinger auf der Fläche eigentlich Sommergerste anbauen. „Bei einer Veranstaltung der Bauernverbandes wurde dann aber ein Projekt vorgestellt, an dem wir nach familieninterner Beratung auch teilnehmen“, erklären die beiden Berngauer Landwirte. Die eingangs erwähnte Fläche hinter ihrem Anwesen soll auf rund einem Hektar nicht mehr für den Anbau genutzt, sondern in eine blühende Wiese verwandelt werden. Dies soll der Artenvielfalt dienen, für die sich über eine Million bayerischer Wahlberechtigter vor kurzem per Volksbegehren stark gemacht haben. Nun gibt es eine neue Möglichkeit, praktisch etwas zu tun: Für einmalig 50 Euro kann man in Berngau eine einjährige Patenschaft für 100 Quadratmeter Blühwiese übernehmen. „Das Projekt richtet sich unter anderem an Menschen, die selbst z.B. keinen Garten haben, wo sie insektenfreundliche Areale schaffen können“, so Thekla Heßlinger. Kurz nachdem die Landwirte das Angebot über das Internet beworben hatten, meldeten sich prompt die ersten Paten – aus Berlin und München. Inzwischen wurden rund 50 Patenschaften abgeschlossen, auch andere Bauernhöfe im Landkreis Neumarkt nehmen an dem Programm teil.

Abhängig vom Wetter wird Johann Heßlinger in den kommenden Wochen eine spezielle Samenmischung auf der reservierten Fläche aussäen, welche insektenfreundliche Arten zum Blühen bringen soll. „Im Idealfall präsentiert sich die Wiese mit ständig wechselnden Pflanzen bis zum Winter immer bunt“, erklärt der Landwirt. Düngen, Spritzen und Mähen sind auf der Fläche tabu. Wenn ein Areal für klassischen Anbau bis zum Ende des Jahres nicht zur Verfügung steht, fallen für Landwirte ein bis zwei Ernte- bzw. Ertragsperioden weg. Dies werde mit einem Patenbetrag von 50 Euro pro 100 Quadratmeter in etwa kompensiert, wie der der Bayerische Bauernverband auf Nachfrage des Neumarkter Wochenblattes erklärt. Zudem müsse auch eine „simple“ Blühwiese vorbereitet, angesät und dank allgegenwärtiger Bürokratie dokumentiert werden. Die Familie Heßlinger hat darüber hinaus noch geplant, die Paten regelmäßig über den Status ihrer Flächen zu informieren – mit Bildern und eventuell kleinen Videos. Sofern gewünscht sollen Schilder am Wegesrand zeigen, wer sich an dieser Stelle finanziell engagiert. Und auch ein kleines Fest, bei dem sich die Unterstützer bunter Wiesen am Heßlinger-Hof treffen, könnte den Paten durchaus noch „blühen“...