Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Ulrich Badura

„Das kitzelt überhaupt nicht“, erzählt eine Siebtklässlerin ihren staunenden Klassenkameraden. Vor wenigen Sekunden hatte das Mädchen noch eine Vogelspinne auf der Hand sitzen und berichtet nun  von ihren haptischen Erfahrungen – ein paar ihrer Mitschüler haben sich vorsorglich einige Meter weiter weg positioniert.

Die Tuchfühlung mit lebenden Tieren bildet den Höhepunkt eines Besuchs im „rollenden Insektarium“ von Rupert Wanninger. Der ehemalige Realschullehrer will seine Faszination für einheimische und internationale Insekten und vor allem deren Rolle im Naturkreislauf der jungen Generation deutlich machen. Seine Wanderausstellung mit präparierten und lebendigen Exponaten gastierte letzte Woche im Ostendorfer Gymnasium in Neumarkt. „Wozu sind Insekten gut ?“, fragt er soeben eine Gruppe Fünftklässler. Dass sie als Bestäuber in der Natur tätig sind, fällt den Schülern sofort ein. Dass sie aber in vielen Fällen auch als Nahrung dienen, ergänzt Wanninger und verschweigt auch nicht die Tatsache, dass von einigen Arten tödliche Gefahren wie Malaria ausgehen.

Nur einen Bruchteil seiner Sammlung von rund 7000 Arten hat Rupert Wanninger auf seiner Tournee durch Schulen dabei. Viele der Exponate züchtete er selbst oder fand sie bei Reisen durch Venezuela, Afrika, Asien und die tropischen Regenwälder Kolumbiens – hin und wieder unter gefährlichen Bedingungen. „Dieser hier kann tödlich sein, ich habe seinen Stich zum Glück überlebt“, erzählt der Donaustaufer über einen vier Zentimeter großen Skorpion in seiner Sammlung. Einen Schaukasten daneben hängt ein Exemplar der
„corydalus wanningeri“, einer Schlammfliegenart, welche von Wanninger entdeckt wurde.

Wer seine Blicke durch die Ausstellung schweifen lässt, bekommt den Eindruck, dass die Insektenwelt außerhalb Deutschlands um einiges farbintensiver ist als hierzulande: Schmetterlinge weisen ein Blautonspektrum auf, welches selbst wortgewandte Innenausstatter in Verlegenheit bringen würde. Zwei reglose grüne Blätter auf der Hand einer Gymnasiastin entpuppen sich auf einmal als lebendiges Insekt. Zweig-ähnliche Heuschrecken in Kuchentellergröße erinnern an Wesen, die man zuletzt in einem Fantasy-Film der Harry-Potter-Reihe sah. Jedoch existieren sie hier nicht nur als Computeranimation, sondern in natura – in einer artenreichen Welt, über die Insektenkundler wissen, dass sie eigentlich nur einen Bruchteil wissen.