Kunst ohne Filter

Kunst ohne Filter

Susanne Weigl

Seit Samstag hat die Neumarkter Kunstszene einen weiteren prominenten Standort in der Stadt – die Rathausmauer direkt neben der Passage. Ein leuchtend hellblauer Kasten verkauft dort Kunst. Das verraten die orangefarbenen Lettern. Wer jetzt fünf Euro rechts oben in den Schlitz wirft, bekommt diese im Miniformat mit Infos zum jeweiligen Künstler. Auf Initiative der beiden Lehrerinnen Melanie Köhler und Nicola Thumann bekam ein ausgedienter Zigarettenautomat die Ehre, statt Glimmstängel nun regionale Kunst zu verkaufen. Finanzielle Unterstützung und Schützenhilfe kam vom Tourismusverband.

Eine Schachtel Kunst bitte

Die Idee, einen Automaten als Kunstgeber zu installieren, ist nicht neu. Andere Städte haben ähnliche Projekte bereits erfolgreich umgesetzt. „Das wäre bestimmt auch was für Neumarkt“, entschieden die beiden Kunsterzieherinnen Nicola Thumann und Melanie Köhler bei einem gemütlichen Glühweinabend. Nach dem Erwerb eines geeigneten Automaten wurde dieser restauriert und umfunktioniert. Statt Päckchen mit abschreckenden Bildern und Warnhinweisen spucken die zehn Schubladen nun hellblaue Schachteln, bestückt von Künstlern und Schülern der Mittelschule West und des Ostendorfer Gymnasiums, ohne gesundheitsschädigenden Inhalt aus. Die professionelle Lackierung des Automaten spendierte übrigens BMW Partl.

Zum Startschuss am Samstag hatten sich bereits zahlreiche Interessenten auf dem Rathausvorplatz versammelt. Werner Thumann, der Vorsitzende des Tourismusverbandes, hatte die Ehre und die Qual der Wahl der ersten Schubladen-Ziehung. „Habt Ihr genügend Kleingeld dabei? Dieser Automat nimmt nämlich weder Geldscheine noch EC-Karten, sondern nur Münzen“, rief er in die Menge.