Luftpost mit besonderer Geschichte

Luftpost mit besonderer  Geschichte

Ulrich Badura

Ein besseres Timing hätten sich die Bewohner des Alten- und Pflegeheims „Doktorshof“ nicht wünschen können: Pünktlich um 15 Uhr kommt am Freitag letzter Woche die Sonne hinter den Wolken hervor und lässt die Luftballons, welche sie zu diesem Zeitpunkt in ihren Händen halten, farbenfroh strahlen. Nur wenige Augenblicke später erheben sich diese in den Himmel über Berg und werden von einem leichten Nordwind gen Horizont getragen. Wo sie wieder landen, ist natürlich ungewiss, die ihnen nachblickenden Senioren hoffen aber, dass sie gefunden werden – schließlich verschicken sie mit den gasgefüllten Ballons Grüße „an Unbekannt“. „Einige schrieben z.B. auf die kleinen Kärtchen, sie wünschten sich, noch lange gesund zu bleiben, und würden sich über Antwort von den Findern freuen“, erzählt Heimleiterin Christine Sperr. Ihre Mitarbeiter versuchen, den Bewohnern regelmäßig solche Erlebnisse zu bieten, durch die Corona-Pandemie seien viele Aktionen aber schwierig umzusetzen – Kontakte von Personal und Senioren der verschiedenen Stationen untereinander müssen vermieden werden, um die Übertragungsgefahr zu minimieren. Bisher konnte man Covid19-Infektionen in der Einrichtung verhindern.

Die 55 Ballons, welche an diesem Nachmittag über die Landschaft schweben, sind nicht nur mit guten Wünschen „an den Rest der Region“ verbunden, sondern stehen auch als Symbol für Dank: Familie Simon, welche in Berngau ein Geschäft für Partyartikel und Geschenke betreibt, suchte händeringend für ihren Vater eine Kurzzeit-Betreuung. Letztendlich konnte man ein Hospiz-Angebot finden, das Team vom Doktorshof hatte sich jedoch bereiterklärt, ebenfalls übergangsweise einen Platz einzurichten. Das Dankeschön für dieses Angebot in schwierigen Zeiten verteilte sich in Form von gasgefüllten „Farbklecksen“ schließlich am Landkreishorizont.