Ein neuer Hörsaal in Zeiten des Homeschoolings?

Ein neuer Hörsaal in Zeiten des Homeschoolings?

Ulrich Badura

Rund 10.000 Kubikmeter Erde sollen in den nächsten Monaten an einer Stelle bewegt werden, an der vor einem Vierteljahr noch ein nicht mehr genutztes Altenheim stand. Inzwischen haben die Abrissbagger am Residenzplatz ganze Arbeit geleistet und vergangene Woche informierte die Stadt Neumarkt zusammen mit dem Architekturbüro Berschneider + Berschneider über den weiteren Bauverlauf des Projektes „Hochschule“. Klar ist: Bevor der Campus in die Höhe wächst, geht es zunächst in die Tiefe – unter dem späteren Schulgebäude wird die bestehende Tiefgarage erweitert. „Dabei denken wir nicht vorrangig an die Studenten, sondern vielmehr an Bürger, welche hier parken wollen, um in die Kirche, ins Reitstadel oder in die Innenstadt zu gelangen“, betont Oberbürgermeister Thomas Thumann. Gerade bezüglich der Studenten würde sich die Kommune schließlich wünschen, dass diese eben nicht nur für Vorlesungen an- und danach zügig wieder abreisen, sondern möglichst lange in der Jurastadt verweilen. Denn nur das bringt das Hochschulflair nach Neumarkt, mit dem die Befürworter des Projektes liebäugeln.

Bei den bisher vergebenen Aufträgen an die nötigen Gewerke habe man eine kostentechnische Punktlandung hinlegen können, so die Verantwortlichen. Insgesamt ist von einer 10-Millionen-Euro-Investition die Rede, wobei in den Räumen mengenmäßig nicht nur die Studenten untergebracht werden können, welche aktuell den Vorlesungen im Kloster St. Josef beiwohnen. Die Kapazität würde auch die Ansiedelung eines weiteren Studienganges in der Jurastadt erlauben, unter anderem befindet sich Thumann in Gesprächen mit der TH Nürnberg, ob neben dem Bereich „Biomanagement“ z.B. Fachgebiete wie „Künstliche Intelligenz“ in Neumarkt gelehrt werden könnten.

Durch die Corona-Pandemie wird das Thema „Lernen“ inzwischen stellenweise mit anderen Augen betrachtet – Schulen und Universitäten hatten wochenlang geschlossen, wo es die Technik und das Know-How der Beteiligten erlaubten, wurde über das Internet unterrichtet. Trotz dieser Entwicklung hält die Neumarkter Stadtspitze die Investition in ein neues Hochschulgebäude weiterhin für sinnvoll. „Online-Lernen wird sicher in Zukunft mehr Bedeutung haben, aber nach wie vor werden Studenten Universitäten und Hochschulen besuchen“, meint Thomas Thumann, „und auch den Wunsch vieler junger Menschen, nach dem Schulabschluss zum Studieren in eine andere Stadt zu ziehen, wird es nach wie vor geben.“