Plötzlich eine neue Welt

Plötzlich eine neue Welt

Susanne Weigl

Das Corona-Virus, winzig klein und für das menschliche Auge unsichtbar, beherrscht derzeit das Leben auf der ganzen Erde und verbreitet Angst und Schrecken. Der Erreger macht weder Halt vor Landesgrenzen, noch vor Jung und Alt. Pandemie und Quarantäne – diese beiden Begriffe beschreiben ein Szenario, welches vor gut zwei Wochen noch in weiter Ferne lag. In Deutschland herrscht der Ausnahmezustand. Desinfektionsmittel und Klopapier sind Mangelware. Das öffentliche Leben steht still. Von der To do-Liste sind bis auf weiteres rauschende Partys, Urlaubsreisen, Konzerte, Feste und ausschweifende Shopping-Touren gestrichen. Freitagnacht hat Ministerpräsident Markus Söder zusammen mit seinem Kabinett eine zweiwöchige Ausgangsbeschränkung für den Freistaat Bayern beschlossen. Seit Montag gilt Gleiches für die restlichen Bundesländer. Zudem stehen Kunden bei allen Gastronomiebetrieben (außer take away und Lieferdienste), Freizeit- und Wellnesseinrichtungen, Sportstätten, Baumärkten, Friseur- und Kosmetikstudios sowie Einzelhandelsgeschäften vor geschlossenen Türen. Für Krankenhäuser, Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen gelten Betretungsverbote. Geöffnet sind lediglich medizinisch notwendige Einrichtungen wie Arzt- und Physiotherapiepraxen, Sanitätshäuser, Apotheken, Supermärkte, der Getränkehandel, Tankstellen und Kfz-Werkstätten. Öffentliche Gottesdienste finden nicht mehr statt, stille Gebete in den Kirchen sind jedoch möglich.

Erlaubt und verboten

Soziale Kontakte sind auf ein Minimum zu reduzieren. Bürgerinnen und Bürger in anderen Bundesländern dürfen sich maximal zu zweit oder mit Personen aus dem eigenen Haushalt in der Öffentlichkeit aufhalten – in Bayern darf man allein oder zusammen mit Personen aus dem eigenen Haushalt unterwegs sein. Verabredungen mit Freunden sind demzufolge tabu. Um das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich zu halten, ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen einzuhalten. Partys sind nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in Privatwohnungen verboten. „Die Maßnahmen, die jetzt in Kraft treten, sind keine Empfehlungen, sondern Regeln“, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache. „Wir müssen dem Virus wenig Möglichkeit geben, sich auszubreiten.“ Bei Zuwiderhandlung drohen hohe Bußgelder und sogar Gefängnisstrafen. Sportlichen Aktivitäten im Freien darf man weiterhin nachgehen. Der Weg zur Arbeit, in den Supermarkt, zum Arzt und zur Apotheke ist jederzeit möglich.

Die Wirtschaft leidet

Neben zahlreichen mittelständischen Betrieben kämpfen derzeit insbesondere Künstler, Messebauer, Eventagenturen, Gastronomen sowie Einzelhändler und andere Solo-Selbständige um ihr Überleben. Aus der Not heraus werden daher verschiedene Initiativen geboren. Künstler streamen Live-Musik, Einzelhändler setzen vermehrt auf Online-Dienste und regionale Anbieter bringen ihre Produkte direkt zum Kunden. Die Bayerische Staatsregierung hat ein Soforthilfeprogramm eingerichtet. Dieses richtet sich an Betriebe und Freiberufler, die durch die Corona-Krise in eine existenzbedrohliche wirtschaftliche Schieflage und in Liquiditätsengpässe geraten sind.

Denk global, kauf regional

Unter dem Motto „Denk global, kauf regional“ hat sich am Wochenende im Landkreis eine Initiative gebildet, welche sich gebündelt auf der Homepage des Vereins „aktives Neumarkt e.V.“ präsentiert und mit folgendem Appell an alle privaten Haushalte richtet: „Wir brauchen Euch – unterstützt Eure heimischen Betriebe jetzt mit dem Kauf von Gutscheinen.“ Diese gibt es voraussichtlich ab Mittwoch online unter www.ichfreuemichdarauf.de. Liebevoll verpackt sind Gutscheine übrigens ein ideales Mitbringsel oder Geschenk für Freunde und Verwandte. Nach hoffentlich heil überstandender Krise erhalten die Kunden beim Einlösen der jetzt erworbenen Gutscheine einen Rabatt von bis zu 10 Prozent. Mit dem Erwerb werden Geschäftstreibende unterstützt, ihre laufende Kosten wie Löhne und Mieten zeitnah begleichen zu können. „Staatliche Hilfen helfen nur kurzfristig und sind lediglich der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein“, weiß Ideengeber Bernhard Burnickl. „Dem Einzelnen tun die Beträge sicherlich nicht weh, doch uns wird mit der Aktion immens geholfen.“ Mit knapp 30 Mitstreitern zieht der Kaffeeröster aus Velburg deshalb an einem Strang und hofft auf große Resonanz in der Bevölkerung. Das Überleben ihrer heimischen Betriebe liegt den besorgten Inhabern nämlich ebenso am Herzen wie der Erhalt aller Arbeitsplätze sowie der gastronomischen und kulinarischen Vielfalt.

Angst vor sozialer Isolation

Ausgangsbeschränkung und in der Folge fehlende soziale Kontakte sind für viele Menschen gleichbedeutend mit Isolation und bergen nicht selten Konfliktpotenzial. Die Angst, in ein Loch zu fallen oder depressiv zu werden, ist laut Aussage von Fachleuten in der aktuellen Situation groß. Doch gerade in Corona-Zeiten können soziale Medien ein Segen sein. Sie erlauben den Austausch und Kontakt mit Freunden, Geschäftspartnern und Verwandten, verringern das Risiko der Vereinsamung, sind aber kein Ersatz für physische Kontakte. Ablenkung tut hier Not. Möglichkeiten gibt es viele, zum Beispiel mal wieder ein Buch lesen, täglich eine Runde joggen, neue Kochrezepte ausprobieren, mit dem Frühjahrsputz beginnen, den Kleiderschrank ausmisten oder die guten alten Gesellschaftsspiele aus der Versenkung holen.

Wichtige Infos

Bis zum 31. Mai ist das öffentliche Leben in Neumarkt auf dem Nullpunkt. Die Rathäuser, die Stadtbibliothek, die städtische Musikschule, das Stadtmuseum und das G6 – Haus der Jugend, bleiben geschlossen. Alle Sporthallen sind zu, Spielplätze dürfen nicht benutzt werden. Das Frühlingsfest, die Reihe „Sommer im Park“, alle Stadtführungen und Märkte sowie der verkaufsoffene Sonntag im April werden ersatzlos gestrichen.

Eheschließungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur der Standesbeamte und das Brautpaar dürfen anwesend sein. Die städtische Aussegnungshalle in der Regensburger Straße ist bis auf weiteres gesperrt. Dort und in den anderen Leichenhäusern der Stadt finden keine Trauerfeiern mehr statt. Die Friedhöfe bleiben weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei Beerdigungen wird gebeten, die Zahl der Trauergäste so gering wie möglich zu halten.

Weitere Infos finden Sie auf www.neumarkt.de