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Montag, 5 Dezember 2022
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Wo die Fische noch aus dem Ei gezogen werden

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Strenge Vorschriften machen Teichwirtschaft in Deutschland teurer

(jpl) Das Wasser plätschert und rauscht beruhigend, wenn man auf dem Grundstück im Pilsacher Ortsteil Schneemühle aus dem Auto aussteigt. 18 Fischteiche gehören dort zur Fischzucht Grasse. Dass die Fische noch wirklich aus den Eiern großgezogen werden, ist selten geworden. „Es gibt ungefähr zehn Betriebe in Bayern, die eine eigene Laichfischhaltung haben und züchten“, sagt Betriebsinhaber Christian Grasse. „Andere Betriebe kaufen die Eier zu.“

Grasse hat zusammen mit seiner Ehefrau Bettina den Betrieb im Jahre 2021 von den Eltern Ruth und Hans-Heinrich übernommen. Schon seit 1980, als der Vater den Betrieb zunächst gepachtet und 1982 schließlich gekauft hatte, vermarkten die Grasses Regenbogen- und Bachforellen sowie Saiblinge. Um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen, begann die Familie im Mai 2020 mit einem großen Neubau: „Die ursprüngliche Größe“, weiß Christian Grasse, „hätte für zwei Familien nicht mehr gereicht.“ Deshalb wird im kommenden Jahr ein Gebäude mit „komplett neuer Fischverarbeitung nach höchsten Standards fertiggestellt sein“, so Grasse. Sieben statt bisher einen Raum gibt es dann für die Fischverarbeitung, zusätzlich entstand eine große Maschinenhalle für die Fahrzeuge.

Selbst Fische zu züchten, ist „sehr zeitaufwändig und arbeitsintensiv“, sagt Bettina Grasse. „Alles ist Handarbeit.“ Ein zusätzliches Problem: „Alles passiert kurz vor Weihnachten“, erklärt sie, „ab Ende November ist bei uns Hochbetrieb.“ Grund: Die Fische laichen von Ende Oktober bis Mitte Januar. Zu diesem Zweck halten die Grasses eigene Laichfische, welche nicht geschlachtet werden und älter bzw. größer sind als die Exemplare, welche der Kunde gewöhnlich auf dem Teller wiederfindet.

„In der Laichzeit“, erklärt Christian Grasse, „haben wir jeden Laichfisch mindestens einmal pro Woche in der Hand und fühlen, ob er reif ist oder nicht.“ Wenn er dann so weit ist, habe man zwei bis drei Tage Zeit zum Abstreifen, „sonst laicht er von selbst ab und die Eier sind weg.“

Besonders kompliziert ist die Befruchtung. Die Eimembran ist dafür lediglich 15 Sekunden lang offen. „In der Natur werden aus drei von 1000 Eiern Fische, in der Zucht ist der Ertrag viel höher“, so Grasse. Bis zur Schlachtreife dauert es nicht weniger als zwei Jahre.

Die Fischzüchter haben sich der Direktvermarktung verschrieben, der Löwenanteil wird an die regionale Gastronomie abgesetzt. Regelmäßig steht das Frischfischmobil zudem auf dem Neumarkter Bauernmarkt – Vater Hans-Heinrich war 1988 dessen Mitbegründer. Außerdem sind Erzeugnisse aus dem Haus Grasse in Regionalmärkten wie „Der Regionale“ in Neumarkt sowie in Hofläden erhältlich.

Die Idee zu einer Fischzucht brachte Diplom-Agraringenieur Hans-Heinrich Grasse von einem Kanada-Aufenthalt Mitte der 1970er-Jahre mit, „weil man dazu nicht so viel Fläche braucht“, erzählt sein Sohn. Erste Erfahrungen mit dem Metier sammelte Hans-Heinrich Grasse an der Sophienquelle in Grünsberg bei Burgthann, bevor er in den Achtzigern eine ehemalige Hobbyfischzucht in der Schneemühle übernahm und diese zum Haupterwerb umbaute. Sohn Christian stieg 2013 nach seinem BWL-Studium in Regensburg in den Betrieb ein.

„In Deutschland werden die Vorschriften außergewöhnlich streng gehandhabt“, so die Erfahrung des Fischzüchters. Dies rufe ein ernsthaftes Problem hervor: „Nur 8 bis 14 Prozent der Fische werden hierzulande aus dem Ei gezogen, der Rest ist Importware aus Dänemark, Italien und Frankreich.“ Die strengen Vorschriften machten eben alles teurer, „deshalb gibt es in Deutschland immer weniger Betriebe, die selbst züchten“, sagt Grasse. Und: „Unser Land macht sich dadurch immer mehr abhängig von Importen.“

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