10.5 C
Neumarkt
Mittwoch, 1 Februar 2023
StartAus der RegionWasser auf Mühlen trifft Strom auf Masten

Wasser auf Mühlen trifft Strom auf Masten

Schaufenster Neumarkt

-Anzeige-
Anzeige

Netzbetreiber Tennet lud zu Online-Fragerunden

Dass das Wasser auf den Mühlen der Juraleitungs-Kritiker sein würde, war irgendwie klar: Netzbetreiber Tennet lud vergangene Woche zu Online-Fragerunden ein, in denen Bürger gezielte Fragen zur geplanten Trasse stellen konnten. In zweistündigen Videokonferenzen wurden der angedachte Verlauf erörtert, am Dienstagnachmittag zunächst für die Gebiete um Berngau, Sengenthal, Mühlhausen, Deining und Berching, später am Tag für Postbauer-Heng und das fränkische Nachbargebiet. Doch gleich bei der ersten virtuellen Sitzung zielten für rund 20 Minuten die Fragen von Teilnehmern darauf ab, warum es so schwer gemacht werde, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Die Ankündigung sei erst einen Tag vorher in der Tagespresse erschienen, manche Kritiker behaupteten, es sei auch nicht klar ersichtlich gewesen, dass man sich als Interessent nicht einfach „einwählen“ könne, sondern mindestens einen Tag vor der Veranstaltung bei Tennet registrieren müsse. Wer diese Voraussetzung erkannte und am Montagabend auf die veröffentlichten Anmeldungslinks des Netzbetreibers klickte, erhielt jedoch die Meldung, dass die nötige Internetseite nicht gefunden werden konnte. „Wir hatten derart hohe Zugriffszahlen, dass wir die Pages erst mal bis Dienstagmorgen sperrten“, erklärte Tennet-Unternehmenssprecher Markus Lieberknecht. Dieser Schritt dürfte das subjektive Gefühl einiger Bürger verstärkt haben, dass „Austausch“ zu umstrittenen Themen unter dem Vorwand der Corona-Pandemie möglichst im Keim erstickt werde – der Netzbetreiber betonte jedoch, auch interessierte „Nachzügler“ würden noch in die Konferenzen eingelassen. Dass man schließlich für die Teilnahme ein spezielles Programm herunterladen und installieren musste – Sicherheitsbewusste im Computerbereich überlegen sich solche Aktionen stets zweimal – schraubte die Hürden für die Teilnehmer der Fragerunden auch nicht gerade nach unten. Teilweise sorgte das für ein interessantes Bild: Von rund 30 Konferenzgästen im virtuellen Versammlungsraum war ein gutes Drittel als „Mitgastgeber”“ gekennzeichnet – sprich: Vertreter oder Partner des Netzbetreibers. Auch dieser Umstand war natürlich „Wasser auf den Mühlen“ – ein Teilnehmer freute sich zwar, dass Tennet der Veranstaltung so viel Personal widme, wunderte sich aber, warum man nicht lieber mehr „Bürger zugelassen habe“.

„Ich wäre wirklich froh, wenn wir stattdessen richtige Infoveranstaltungen vor Ort durchführen konnten“, betonte Lea Gulich, ihres Zeichens Bürgerbeteiligungsreferentin bei Tennet. Die interessierten Bürger, welche die Hürden der Anmeldung gemeistert hatten, erhielten jedoch tatsächlich zahlreiche Informationen: Im April hatte das Unternehmen bei den Behörden konkrete Vorschläge für den Korridor eingereicht, in dem die Trasse später verlaufen soll – hier handelt es sich um eine Art Grobplanung, welche jedoch schon zahlreiche Aspekte wie Entwicklungspotentiale der tangierten Orte, Naturbelange oder Grundwassersicherheit berücksichtigt. In manchen Gebieten orientiert sich der Korridor an der bestehenden Juraleitung, für die der Neubau letztendlich als Ersatz dienen soll, in anderen Bereichen weicht er davon ab. Einige Landkreisbewohner, z.B. in Allershofen, würden nach den aktuellen Entwürfen in Zukunft weiter von den Strommasten entfernt wohnen als es momentan der Fall ist.

Letztendlich – dies wurde schon im Vorfeld der Fragerunden betont – sei es nun an der Regierung der Oberpfalz, die Vorschläge von Tennet zu prüfen und bei dem startenden Raumordnungsverfahren die Bürger zu beteiligen. Jedem, der für oder gegen Windräder, Strommasten oder Erdleitungen vor seiner Haustür ist, sollte sich aber über eines im Klaren sein: Bürgerbeteiligung in der komplexen Frage, wie Deutschland in Zukunft seinen Strom erzeugen und verteilen soll, findet nicht nur in Vorort-Treffen oder Videokonferenzen statt, sondern maßgeblich auch in den Momenten, in denen der Bundesbürger in eine Wahlkabine gebeten wird.

BU: In einer Videokonferenz beantwortete Netzbetreiber Tennet Bürgerfragen.

Gib uns ein "Gefällt mir" auf Facebook und bleibe informiert

1,876FansGefällt mir

-Anzeigen-

Bleiben Sie informiert mit unserem Newsletter

Der Wochenblatt Neumarkt Newsletter informiert Sie einmal in der Woche über aktuelle Nachrichten aus der Stadt- und dem Landkreis Neumarkt. Verpassen Sie keine Sonderangebote, Geschäftseröffnungen und vieles mehr.

Aktuelle Nachrichten

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren