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Mittwoch, 29 Juni 2022
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Zwei Initiativen, eine Entscheidung

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In Pilsach formieren sich Gegner und Befürworter des Gewerbegebietes Waldeck

Dass Initiativen gegründet werden, wenn Bürger ihre Interessen nicht genügend vertreten fühlen, ist nichts Neues. Nicht alltäglich ist jedoch, dass innerhalb einer Gemeinde zwei Initiativen entstehen, welche ein spezifisches Projekt in die entgegengesetzten Richtungen treiben wollen. In Pilsach ist das Objekt, an dem sich die Geister scheiden, das geplante Gewerbegebiet „Waldeck“.

Dieses soll nicht nur ausgewiesen werden, mit „Chefs Culinar“ hat sich auch bereits ein Interessent für die Besiedelung gefunden. Der deutschlandweit agierende Lebensmittelgroßhändler will für rund 80 Millionen Euro ein Logistikzentrum mit 30.000 Quadratmetern Lagerfläche errichten, in dem u.a. Waren für den Versand vorbereitet werden sollen.

Kritik an dem Projekt wurde bereits im Sommer laut, eines der Hauptargumente der Gegner ist der Flächenverbrauch. Doch auch eine höhere Lärm- und Umweltbelastung durch an- und abfahrende Lieferanten und Mitarbeiter wird befürchtet. Dass es bei der irgendwann in Umlauf gebrachten Zahl von „6 LKW durch Laaber“ bleibt, bezweifeln die Gegner des Projektes in ihrem Infoflyer.

Sie fordern letztendlich, das besagte Gewerbegebiet gegenüber eines existierenden Steinbruchs und Schotterwerks prinzipiell nicht zu realisieren. Nach dem erfolgreichen Sammeln der nötigen Unterschriften gibt es nun am 10. Januar einen Bürgerentscheid in Pilsach, bei welchem die Stimmberechtigten gefragt werden, ob auf den angedachten Flurnummern kein Gewerbe- oder Industriegebiet verwirklicht werden soll.

Dass die Pilsacher Bürger darauf mit „Nein“ stimmen, somit also ein neues Gewerbeareal befürworten, hofft eine andere Bürgerinitiative. Unter dem Motto „Pro Gewerbegebiet Waldeck“ will sie Ausweisung des Gebietes und Ansiedlung des Lebensmittel-Logistikers unterstützen. Die beiden Hauptargumente sind die zu erwartenden Einnahmen für die Kommune sowie rund 400 neue Arbeitsplätze, welche „Chefs Culinar“ in die Gemeinde bringen will − gerade Frauen aus Pilsach, welche auf der Suche nach Halbtagsarbeitsplätzen in der Nähe sind, könnten davon profitieren, so die Vertreter der Initiative.

Unabhängig von den Diskussionen um das Gewerbegebiet zeigt sich in Pilsach ein bundesweiter Trend, zu dem es zwar wenig empirische Erhebungen gibt, dennoch ist er spürbar: Es werden immer mehr Bürgerinitiativen gegründet. Laut Umfragen der Bundeszentrale für politische Bildung wuchs die Bereitschaft der Deutschen, sich in solchen Initiativen zu engagieren, im Lauf der letzten Jahrzehnte stark an.

Diesen Trend kann man unterschiedlich bewerten: Der Wunsch der Gesellschaft, sich stärker in Entscheidungen einzubringen, ist prinzipiell zu begrüßen. Auf der anderen Seite stellen sich zwei grundsätzliche Fragen: Wie gut vertreten gewählte Volksvertreter das Volk, wenn landesweit immer mehr Bürgerinitiativen zu mehr oder weniger kollektiven Belangen aus dem Boden sprießen? Und: Sinkt in Deutschland womöglich auch der Wille, durch indirekte Demokratie gewählte „Marschrichtungen“ schlicht zu akzeptieren?

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