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Sonntag, 21 April 2024
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Der Apfel aus dem Konzentrationslager

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Einer der besten Sortenkenner Deutschlands:
Korbinian Aigner

(*11.5. 1885 † 5.10. 1966)

Als ältestes von elf Kindern in Hohenpolding im Landkreis Erding geboren, sollte Korbinian Aigner eigentlich den elterlichen Hof übernehmen. Aigner hatte jedoch andere Pläne – er wollte Pfarrer werden. Seine Leidenschaft für Landwirtschaft, insbesondere für die „Poesie der Landwirtschaft“, wie er selbst den Obstbau nannte, ließ ihn dennoch nicht los. Noch als Student gründete er 1908 den Hohenpoldinger Obstbauverein und zwei Jahre später die erste Vereinskelterei und –mosterei in Bayern.

Als Priester war er eine konträre Figur. Er war ein Pfarrer des Volkes – nah dran an den Problemen und Herausforderungen seiner Gemeinde. Mit seiner Begeisterung zum Obstbau riss er seine Gemeinde und vor allem die Jugend mit. Man gab ihn den Namen „Apfelpfarrer“, was er selbst nicht so gerne hörte. Sein Pfarrherr in Söllhuben am Simsee formulierte es sogar so:“Pomolog, schielt zu sehr nach dem Weiblichen.“

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zeigte sich sein rebellisches Wesen erneut. Allen Verwarnungen zum Trotz wurde er nicht müde von der Kanzel gegen die Nationalsozialisten zu predigen. Im ersten Kriegsjahr fand man einen Anlass, den beliebten „Apfelpfarrer“ zu verhaften und ihn ins Gefängnis zu bringen, später dann ins Konzentrationslager nach Dachau. Dort zwang man ihn zur Arbeit in der Landwirtschaft, erlaubte ihm jedoch, Apfelkerne auszusäen. Zwischen den Baracken gelang Aigner die Zucht neuer Apfelsorten. Auf dem Todesmarsch 1945 gelang Aigner die Flucht – samt einiger seiner Sämlinge. Einer seiner „KZ-Äpfel“ entwickelte sich im Laufe der Zeit besonders gut als Tafel- und Wirtschaftssorte – sie ist heute als „Korbiniansapfel“ bekannt.

Vollreif ist der Korbiniansapfel goldgelb und nur bei optimaler Belichtung einseitig kräftig gestreift. Er zeichnet sich durch eine feine Würze und ein ausgewogenes Säure-Zucker-Verhältnis aus. Ab Mitte Oktober ist der Apfel reif und bei richtiger Lagerung bis zu sechs Monate haltbar. Der Baum selbst hat geringe Ansprüche an Boden und Klima und zeichnet sich durch hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen aus. Zum 125. Geburtstag Aigners, im Jahr 2010, organisierte der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V. in München eine landesweite Pflanzaktion mit dem Korbiniansapfel. Dabei wurden rund 300 Bäume im ganzen Freistaat gepflanzt, denn Korbinian Aigner wurde nach dem zweiten Weltkrieg zum Vorsitzenden des Landesverbandes ernannt und verstand es, die Ziele und Ideen des Verbandes zu vertreten und die Bevölkerung für seine Passion, den Obstanbau, zu begeistern.

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