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Dienstag, 21 September 2021
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Bürgerinitiative ist in Alarmbereitschaft

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200 Unterstützer wenden sich gegen die Pläne für eine ICE-Wartungshalle

Es dürfte ein sichtbarer Eingriff werden, der den Bürgern rund um Postbauer-Heng, aber auch den angrenzenden mittelfränkischen Gemeinden möglicherweise bevorsteht: Vor den Toren des Ortes Richtung Gewerbegebiet Espenpark liegt ein sogenannter Betrachtungskorridor der Deutschen Bahn (DB). Er ist nicht weniger als 195 Hektar groß und könnte einmal eine ICE-Wartungshalle beherbergen.

Auch wenn es sich dabei lediglich um einen von neun möglichen Standorten handelt, haben Gabriele Bayer, Markträtin und Kreisvorsitzende der Grünen, sowie Dr. Jürgen Rupprecht vom Bürgerblock bereits eine Bürgerinitiative gegen das ICE-Werk gegründet.

„Rund 200 Mitglieder haben wir inzwischen“, freut sich Gabriele Bayer im Gespräch mit dem Wochenblatt Neumarkt. Zur Gründungsversammlung Anfang Juni waren 110 Leute erschienen. „Es herrscht großes Interesse, wir gewinnen täglich neue Mitglieder“, fügt Dr. Jürgen Rupprecht hinzu. Bei den 195 Hektar handelt es sich allerdings nicht um den tatsächlichen Platzbedarf für das ICE-Instandhaltungswerk. Innerhalb dieses Betrachtungskorridors, darauf weisen die Planer der Bahn unter Projektleiter Carsten Burmeister hin, wären für das eigentliche Werk 35 bis 40 Hektar Fläche nötig. Das „Herzstück“ bildet laut DB eine rund 480 Meter lange Halle mit sechs Gleisen, in der jeden Tag bis zu 25 ICE-Züge gewartet und instandgesetzt werden können.

Bayer bat den Architekten Helmut Theil um die Erstellung eines Übersichtsplans für das Projekt anhand der bekannten Eckdaten – dessen Entwurf zufolge würde das Werk am Standort Postbauer-Heng nach Südosten hin fast direkt an den Zaun des Gewerbegebietes Espenpark angrenzen. Der Betrachtungskorridor wird von der Bundesstraße 8 durchschnitten. „Auch Grundstücke in der Gemeinde Postbauer-Heng sind betroffen, außerdem befindet sich sogar der Friedhof momentan im Betrachtungskorridor“, sagt Gabriele Bayer. „Das Gelände liegt direkt im Naherholungsgebiet unserer Bürger. Es ist ein tierreiches Areal und Jagdgebiet. Es müsste viel Wald abgeholzt werden – das wäre ein gigantischer Eingriff in das Landschaftsbild.“

Dr. Rupprecht weist darauf hin, dass es aus seiner Sicht ein weiteres Problem gäbe: „Die ICE werden gewartet, wenn sie nicht gebraucht werden.“ Er wisse, dass geschätzte 60 Prozent der Arbeiten in der Nacht ausgeführt würden. Zudem gäbe es „eine immense Lichtverschmutzung, weil viel im Freien gearbeitet wird“ – und mögliche Huptests.

Eine „Hoffnung“ für die Bürgerinitiative sei laut Dr. Rupprecht, dass zeitgleich die Umgehung der B 8 in diesem Gebiet entstehen soll. Das Planungsfachbüro der Bahn prüfe derzeit, ob beide Projekte vereinbar seien. Dass der Korridor am Standort Postbauer-Heng/Ezelsdorf nur eine von neun möglichen „Regionen“ für die Umsetzung des ICE-Projektes sei, tröstet Dr. Rupprecht wenig: „Keiner ist ein Alibi-Standort. Auch an den anderen Stellen gibt es Probleme. Keiner ist optimal.“ Gabriele Bayer würde sich wünschen, dass man „eine Industriebrache“ für das Projekt hernimmt.

Bei der Gemeinderatssitzung in Postbauer-Heng, so die Dritte Bürgermeisterin, seien lediglich zehn von 33 Abwägungs-Kriterien vorgestellt worden. Die Bürgerinitiative sei nun dabei, auch die Veröffentlichung der restlichen Punkte zu fordern.

Spannend wird es im Oktober, denn bis dahin sollen laut DB alle Ergebnisse zu den einzelnen Standorten vorliegen. Wieviel der neun möglichen Alternativen übrigbleiben, stehe noch nicht fest, sagt Dr. Rupprecht. „Bürgermeister Horst Kratzer ist auf unserer Seite“, freut sich Gabriele Bayer. Die in der Region betroffenen Bürgermeister Kratzer, Markus Holzammer (Schwarzenbruck) und Heinz Meyer (Burgthann) hätten die Bedenken vorgetragen, bei der DB werde jedoch professionell jeder Standort gleichwertig betrachtet: „Die Bahn will doch keinen Rechtsstreit“, sagt Bayer, die auch Bedenken bezüglich der Abwasserentsorgung des potenziellen ICE-Werkes hat. Die Stimmung ist jedenfalls aufgeheizt: „Wir sind in Alarmbereitschaft“, betont Gabriele Bayer – „kampfbereit“ fügt Dr. Jürgen Rupprecht hinzu.

Die Deutsche Bahn bemüht sich ihrerseits, das Projekt so transparent wie möglich zu halten und informiert die Bürger im Internet über den jeweils neuesten Planungsstand unter www.ice-werk-nuernberg.de

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